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Zu Gast „auf hoher See“

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Weltweit fahren heute knapp 150 Frachter und andere Schiffe unter Luxemburger Flagge. Als Aufsichtsbehörde übt das „Commissariat aux Affaires Maritimes“, kurz CAM, aber nicht nur eine Kontrollfunktion auf die Schiffe, die in Luxemburg zugelassenen Schifffahrtsgesellschaften und die im maritimen Bereich beschäftigten Seefahrer aus. Vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen der Zukunft sind die gerade mal zehn Mitarbeiter mehr denn je darum bemüht, Luxemburg in einem mittlerweile weitgehend harmonisierten Umfeld attraktiv zu halten als Standort für Seefahrtsunternehmen aus aller Welt.

„Zum einen wollen wir im Großherzogtum Luxemburg eine Art Plattform für Unternehmen der Seefahrt ent-
wickeln. Zum anderen müssen wir darauf achten, dass die diesbezüglichen legalen Bestimmungen auch angewandt werden“, fasst Regierungskommissar Marc Glodt, verantwortlicher Leiter des „Commissariat aux Affaires Maritimes“ (CAM), die Aufgaben seiner Verwaltung in nur wenigen Worten zusammen.

Kontrolle und Zulassung

Durch Gesetz vom 9. November 1990 wurde in Luxemburg erstmals ein Seefahrtsregister geschaffen. Im Zuge dieser Neuregelung kam es ebenfalls zur Gründung des „Commissariat aux Affaires Maritimes“, das seit der Regierungsumbildung im Jahre 2004 dem Ministerium für Wirtschaft und Außenhandel angegliedert ist. Das Aufgabengebiet der gerade mal zehn Mitarbeiter umfassenden Behörde ist weit gefächert und reicht von der Überwachung der rechtlichen Bestimmungen betreffend Seefahrtsunternehmen und des Schiffspersonals bis hin zur Zulassung und Kontrolle von Frachtern und anderen Schiffen. Dies ist nur durchvollziehbar mit einem weltweiten Netz von Korrespondenten.

Dass der Überwachungsfunktion dabei ein ganz besonderes Augenmerk zukommt, steht außer Frage. „Im Bereich der Seefahrt sind wir die Aufsichtsbehörde schlechthin. Die Überwachung von Schiffen ist und bleibt unser Kerngeschäft“, bringt Marc Glodt die Sache auf den Punkt.

Dass es dabei komplizierte und auch weniger komplizierte Schiffe gibt, weiß der Leiter des „Commissariat aux Affaires Maritimes“ nur allzu gut. „Ich vergleiche ein Schiff gerne mit einer Fabrik, in der es einfache und schwierigere Produktionsabläufe gibt“, zieht er eine Parallele. „Entsprechend vielschichtig müssen auch die Kontrollmechanismen sein“.

Gesetzestexte und Reglemente

Neben ihrer Überwachungsfunktion erarbeitet die Aufsichtsbehörde die Gesetzesprojekte und Verordnungen im Auftrag des Ministeriums. Dazu zählt ebenso die Umsetzung von gemeinschaftlichen Bestimmungen in nationales Recht wie die Übertragung der auf Ebene der „Organisation Maritime Internationale“ – einer Unterabteilung der Vereinten Nationen – erlassenen Reglemente in die Luxemburger Gesetzgebung. Im Memorial, dem offiziellen Amtsblatt für Gesetzestexte und Reglemente, konnten in der vorigen Legislaturperiode um die 3.000 Seiten gefüllt werden.

Dass die Schifffahrt ihre ganz besonderen Reize hat, will niemand leugnen. „Die Seefahrt gilt als erster Sektor überhaupt, in dem nicht nur von Globalisierung gesprochen, sondern wo sie auch praktiziert wurde“, unterstreicht Regierungskommissar Marc Glodt. Die Probleme der Globalisierung, die wir heute entdecken zu scheinen, habe dieser Wirtschaftszweig schon vor Jahren erlebt. In dem Sinne sei auch interessant zu beobachten, dass gerade die Schifffahrt seit Februar dieses Jahres als erster Wirtschaftszweig durch die internationale Arbeitsorganisation über ein konsolidiertes Abkommen verfüge, das weltweit die sozialen Standards festlegen soll. Die Kontrolle dieses Abkommens wird auch in den Bereich des „Commissariat aux Affaires Maritimes“ fallen, so der CAM-Chef weiter. Deshalb müsse auch unser weltweites Netz von Inspektoren neu strukturiert werden. Reporting an die internationalen Organisationen sei eine sehr aufwendige Aufgabe. Alleine im sozialen Bereich der Schifffahrt habe Luxemburg im Jahre 2005 nicht weniger als 16 Berichte in Genf eingereicht, die allesamt vom CAM ausgearbeitet und termingerecht an die dafür zuständige Expertenkommission weitergeleitet worden seien. „Den Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Gütertransports auf hoher See möchten wir unter Berücksichtigung aller nationalen und internationalen gesetzlichen Bestimmungen leisten“.

Vereinfachte Arbeitsabläufe

Stichwort internationale Bestimmungen: „Seit seiner Gründung im Jahre 1991 wurde das ‚Commissariat aux Affaires maritimes’ aufgrund internationaler Vereinbarungen und europäischer Reglemente vor eine Vielzahl neuer Herausforderungen gestellt“, lehrt uns ein Blick auf die hauseigene Internet-Seite des CAM. „Wenn wir heute all diesen Anforderungen gerecht werden, dann nur, weil es uns gelungen ist, die Arbeitsabläufe innerhalb der Verwaltung ganz im Sinne einer modernen Behörde zu optimieren und zum Teil komplizierte Rechnerprogramme zu entwickeln“, unterstreicht CAM-Chef Marc Glodt und fügt hinzu: „Ohne diese Verbesserungen wäre unser Arbeitspensum mit einer derart geringen Anzahl an Mitarbeitern kaum zu bewältigen. Wir sind mächtig stolz auf das, was wir tagtäglich leisten.“

Dass sich die Bemühungen gelohnt haben, davon zeugen die nationalen und internationalen Auszeichnungen, die der Verwaltung im Zuge der Verbesserungs- und Modernisierungsanstrengungen zuteil wurden. Mit berechtigtem Stolz erwähnt Marc Glodt die Zertifizierung seiner Verwaltung im April 2000 mit dem ISO-Zertifikat 9001. „Mit dieser Verleihung wurden die mehrjährigen Bemühungen unserer gesamten Belegschaft anerkannt. Uns alle hat sie ermutigt, das damals kurz bevorstehende 21. Jahrhundert mit Zuversicht und voller Vertrauen anzugehen“.

Einen Grund, sich zufrieden zurück zu lehnen, sahen die CAM-Mitarbeiter in den verschiedenen international anerkannten Auszeichnungen allerdings nicht. Die Anerkennung war im Gegenteil Ansporn, die Bemühungen innerhalb der Verwaltung noch weiter zu fördern. Das sahen im Übrigen auch außen stehende Beobachter so. Das übergeordnete Wirtschaftsministerium etwa, das die Behörde im Jahre 2004 im Rahmen des „Prix luxembourgeois de la qualité“ mit dem Prädikat „Sur la voie de l’Excellence“ und ein Jahr später mit dem „Prix de l’innovation organisationnelle“ auszeichnete.

131 Schiffe, 286 Seefahrtsunternehmen

Doch kehren wir zu den eigentlichen Aufgaben des „Commissariat aux Affaires Maritimes“ zurück. Als Aufsichtsbehörde gibt das CAM jedes Mal ein Gutachten ab, wenn sich ein Seefahrtsunternehmen in Luxemburg niederlassen möchte. Aufgrund dieser Bewertung entscheidet der Wirtschaftsminister über die Zulassung einer Gesellschaft. Formal gesehen ist es auch der Wirtschaftsminister, der letztlich die Niederlassungsermächtigung („autorisation d’établissement“) ausstellt. Zum 31. Dezember 2005 waren im Großherzogtum Luxemburg insgesamt 286 Seefahrtsunternehmen gemeldet. Das Durchschnittsalter der 131 ebenfalls zum 31. Dezember 2005 zugelassenen Schiffe lag bei 8,86 Jahren (bei einer Laufzeit von durchschnittlich 20 bis 25 Jahren).

Neben der Überwachung der Seefahrtsunternehmen fällt, wie eingangs erwähnt, aber auch die Kontrolle der Frachter und der anderen Schiffe in den Zuständigkeitsbereich des „Commissariat aux Affaires Maritimes“. „Alle Schiffe auf hoher See müssen aufgrund der internationalen Bestimmungen zertifiziert sein“, begründet Marc Glodt die Wichtigkeit gerade dieses Aktivitätsbereiches. Geprüft werden neben der Stabilität und der Sicherheit an Bord etwa die Ausstattungen eines Schiffes. Aufgrund des einfach zu geringen Personalbestandes – die Kontrollen werden weitgehend vor Ort durchgeführt – sind diese Tätigkeiten allerdings zu 100 Prozent ausgelagert worden, an so genannte „Sociétés de Classification“, die gerade in diesem Bereich spezialisiert sind. Die Kontrollen an Bord werden je nach den vorzunehmenden Überprüfungen alle ein bis fünf Jahre erneuert. Das „Commissariat aux Affaires Maritimes“ seinerseits übt auf die mit den Kontrollen beauftragten Gesellschaften eine Art Audit-Funktion aus, so dass die verwaltungstechnische Überwachung weiterhin von Luxemburg aus gewährleistet ist.

In detaillierten Berichten informieren diese Unternehmen regelmäßig über ihre Arbeit. Die Auswertung der Angaben erfolgt innerhalb der Seefahrtsbehörde. Falls notwendig, greifen die CAM-Beamten schon mal ein und können auch selbst an Bord gehen. Im Regelfall aber bleiben diese Überprüfungen, wie erwähnt, Sache der Subunternehmen.

Auch die Kontrollen der Hafenbehörden werden im Rahmen von internationalen Kooperationsabkommen zusätzlich durchgeführt. „Die Zusammenarbeit ist nützlich“, kommentiert Marc Glodt, „weil Sicherheit ein gemeinsames Ziel ist“. „Wenn ein Problem bei einem Luxemburger Schiff festgestellt wird, leiten wir eine Untersuchung ein. Wir werden pro-aktiv, indem wir helfen, die festgestellten Mängel zu beheben und die Schiffe wieder auf Vordermann zu bringen.“ Nur äußerst selten gelingt dies nicht in einem partnerschaftlichen Einverständnis. „Dann müssen wir schon mal hart durchgreifen“.

Nicht weniger umfassend als die Kontrolle der Schiffe ist die Überprüfung der richtigen Qualifikation der Seefahrer. „Auf den Schiffen arbeiten Seeleute aus aller Herren Länder“, gibt Marc Glodt zu bedenken. Sie alle müssen zunächst einmal ein international anerkanntes Zeugnis vorweisen können. „Ohne die erforderlichen Papiere geht niemand an Bord“, so der CAM-Leiter weiter. Aber nicht nur die Seefahrer, auch die Schulen, an denen sie ausgebildet werden, „müssen zertifiziert sein“. Diplome aus nicht zertifizierten Lehranstalten können folglich nicht anerkannt werden.

Wirtschaftliche Diversifizierung

Die Idee, ein Schifffahrtsregister in Luxemburg zu schaffen, geht eigentlich schon auf die Anfänge der 80er Jahre zurück. „Damals steckte die europäische Schifffahrt in einer tiefen Krise“, erinnert sich Marc Glodt. Im Rahmen der weltweiten Wirtschaftsmissionen sei dann der Gedanke aufgekommen, ob Luxemburg – als international anerkannter Finanzplatz – nicht einen Beitrag zur Rettung der europäischen Schifffahrt leisten könne.

Ganz im Sinne einer wirtschaftlichen Diversifizierung sei die Idee dann in Luxemburg aufgegriffen worden. In einer ersten Phase seien im Zuge dieser Bemühungen zunächst einmal große Teile der belgischen Flotte nach Luxemburg verlegt worden. Als wichtiges Jahr in der noch recht jungen Luxemburger Seefahrtsgeschichte nennt Marc Glodt das Jahr 1994, in dem die nationale Gesetzgebung aufgrund europäischer Bestimmungen abgeändert und ein eigenes Statut für Seefahrts-Unternehmen geschaffen wurde und somit auch Luxemburg für Schifffahrts-Unternehmen interessant wurde, die keine Schiffe unter Luxemburger Flagge betreiben wollten.

Dass die Seefahrt sich auch positiv auf andere Bereiche wie beispielsweise den Dienstleistungssektor auswirkt, steht außer Frage. „Die Seefahrt hat einen großen Anteil an den weltweit abgeschlossenen Rückversicherungen“, nennt Marc Glodt nur ein Beispiel. Sicherlich profitiere auch der Finanzsektor von der Seefahrt, doch sei nur schwer abzuschätzen, wie viele der über Luxemburg abgewickelten Bankgeschäfte einen direkten Bezug zum maritimen Sektor hätten.

Die Attraktivität des Standortes sichern

Für die nahe Zukunft sieht Marc Glodt vor allem zwei große Prioritäten. Zum einen wolle man das bereits bestehende weltweite Netz an Kontrollinstanzen noch weiter ausbauen, „damit wir unserer Kontrollfunktion noch besser
gerecht werden können“. Zum anderen sei man aber auch bestrebt, im Auftrag des Ministers nach Lösungen zu suchen, um die Attraktivität des Standortes Luxemburg in einem weitgehend harmonisierten Umfeld auch weiterhin zu gewährleisten. Eigens dafür eingesetzte Arbeitsgruppen sollen bereits in naher Zukunft diesbezügliche Vorschläge vorlegen. „Unser Sektor wurde vor 15 Jahren nach Standortvorteilen aufgebaut, die so heute nicht mehr bestehen. Jetzt geht es darum, Antworten auf die großen Herausforderungen von morgen zu finden, damit Luxemburg auch künftig noch wettbewerbsfähig bleiben kann als Standort für Seefahrtsunternehmen“.

Dass Luxemburg keine allzu lange Tradition als Seefahrernation hat, wird wohl niemand leugnen wollen. Die unter Luxemburger Flagge auf den Weltmeeren fahrenden Schiffe tragen den Namen Luxemburg allerdings auf ganz besondere Weise in die weite Welt hinaus und leisten somit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Ansehen unseres Landes. Und für einen Luxemburger ist es zudem auch noch ergreifend, wenn ein Schiff unter Luxemburger Flagge den Hamburger Hafen anläuft bzw. verlässt …und dabei die luxemburgische Nationalhymne erklingt.

Die Seefahrt in wenigen Zahlen

Etwa 90 Prozent der weltweit erzeugten Produkte werden heute über die Meeresstraßen befördert. Pro Jahr sind das etwa sechs Milliarden Tonnen Güter. Die Frachter sind in 150 verschiedenen Ländern zugelassen, und nach jüngsten Schätzungen sind weltweit etwa 1,2 Millionen Menschen in der Seefahrt beschäftigt, davon rund 400.000 Offiziere und etwas mehr als 800.000 Mann Besatzung.

Zum 1. Januar 2005 umfasste die weltweite Flotte 46.222 Frachter mit einem Bruttotonnenregister von genau 597.709.000 Tonnen. Während die Offiziere weitgehend aus den OECD-Staaten kommen, werden die ihnen unterstellten Seeleute zum großen Teil in Dritt-Welt-Ländern rekrutiert, so etwa auf den Philippinen oder in China und Indien. Eine große Anzahl der Seeleute stammt ebenfalls aus Griechenland, Japan, Norwegen, Russland und Großbritannien.

Die Seefahrt hat insbesondere in den letzten Jahrzehnten eine bedeutende Entwicklung gekannt. Dank des technischen Fortschritts konnte der Güterverkehr auf hoher See schneller und wirksamer gestaltet werden. So konnten die Schifffahrts-Bewegungen in den letzten vier Jahrzehnten nahezu vervierfacht werden.

s.h.

COMMISSARIAT
AUX AFFAIRES MARITIMES
26, Place de la Gare
L-1616 Luxembourg
www.cam.etat.lu

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