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Nationale Kredit- und Investitions-Gesellschaft (SNCI): Die staatliche Förderbank für die Luxemburger Wirtschaft

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Sie ist keine gewinnorientierte Bank wie alle anderen, und dennoch wirtschaftet sie sehr ertragsreich. Sie ist eine öffentlich rechtliche Körperschaft, deren Aufgaben der Gesetzgeber klar festgeschrieben hat, und gleichzeitig ist sie ein Kreditinstitut mit allen Auflagen und Überwachungsmechanismen der Finanzbranche: die SNCI oder „Société Nationale de Crédit et d’Investissement“. Sie gehört dem Staat, wird aber von einem „trilateral“ besetzten Verwaltungsrat geleitet, dem Vertreter von Ministerien, Patronat und Salariat angehören.

Trotz einer Bilanzsumme von rund einer Milliarde Euro und einem Jahresüberschuss von 107 Millionen Euro im Jahre 2007 ist die SNCI dem großen Publikum kaum bekannt. Die sachbezogene Professionalität und die persönliche Diskretion des Hauptverantwortlichen, des Verwaltungsrats-Präsidenten Gaston Reinesch, hauptamtlich „Administrateur général“ im Finanzministerium, ist nicht auf Effekthascherei aus.

Diejenigen, die sich Unterstützung von der SNCI erhoffen, kennen die Adresse sehr wohl oder erfahren sie von zufriedenen Kunden. Obschon sie lediglich auf ein Dutzend kompetenter und motivierter Mitarbeiter zurückgreift, spielt die SNCI seit fast 30 Jahren eine außergewöhnlich wichtige Rolle in der Luxemburger Wirtschaft. So diskret sie ihre Aufgaben erfüllt, so unersetzlich ist sie für die Stabilität und die künftige Entwicklung des Landes.

Die „ganz andere“ Bank

Jedesmal, wenn die Weichen der Volkswirtschaft neu ausgerichtet werden müssen, steht sie im Hintergrund bereit, um Hilfestellung zu geben, sollte dies erforderlich werden. „Mit den uns zur Verfügung stehenden Instrumenten ermöglichen wir der Luxemburger Wirtschaft, sich zu entfalten“, fasst Verwaltungsratspräsident Gaston Reinesch die Hauptaufgabe der SNCI kurz aber präzise zusammen. Als Investitionsbank ist die SNCI ein Kreditinstitut, das auf längerfristige und strukturelle Aufgaben spezialisiert ist. Sie ist in Lage, dort einzuspringen, wo die „normalen“ Banken nicht mehr weitermachen wollen oder – wegen ihrer Bilanz-Ratios und der kurzfristigen Art ihrer Refinanzierung – nicht allein weitermachen können oder wollen. Gaston Reinesch: „Wir springen überall dort ein, wo sich ein Mehrwert erwartet wird. Neben der Industrie kann das durchaus auch der Dienstleistungssektor sein.“

Luxemburger Unternehmen, die bedeutende Investitionen vornehmen – bedeutend im Verhältnis zu ihrem Umsatz und ihren Eigenmitteln – und die deswegen eine Finanzierung benötigen, deren Abbezahlen über einen längeren Zeitraum erfolgen muss, sind hier an der richtigen Adresse. Die kommerziellen Banken gewähren den Unternehmen nur kurz- bis mittelfristige Kredite und sind allenfalls bereit, einem Privathaushalt ein Immobiliendarlehen mit ersten Hypotheken und Bürgschaften zu gewähren, wollen sich aber bei Unternehmen und Gewerbetreibenden nicht längerfristig binden.

Oft ist es daher sogar die Hausbank, die den Geschäftsmann oder die Geschäftsfrau zur SNCI begleitet, um hier eine komplementäre, längerfristige Finanzierung sicherzustellen. Aus Sicht der „normalen“ Banken ist die SNCI nämlich kein Konkurrent, von dem man befürchten muss, dass er einem den Kunden wegputzt, sondern ein Partner, der bereit ist, das Risiko zu teilen bei einem Interessenten, der einen hohen Finanzierungsbedarf hat für ein gesundes Geschäftskonzept. Das 77er Gesetz spricht denn auch eine ganz deutliche Sprache: „La Société Nationale a pour objet d’accorder des prêts à moyen et long terme, en vue de promouvoir la création, l’extension, la conversion, la réorientation et la rationalisation d’entreprises industrielles et de prestations de services, ces dernières devant avoir une influence motrice sur le développement économique“, zitiert Gaston Reinesch den entsprechenden Text.

Im Dienste unserer Wirtschaftsstrukturen

Eine weitere wichtige Aufgabe der SNCI ist es, im Rahmen der öffentlichen Wirtschaftsförderung Investitionsbeihilfen zu gewähren an Gewerbetreibende, Kleinunternehmer und mittelständigen Firmen, in Form von Darlehen zu einem Zinssatz, der unter den üblichen Marktbedingungen liegt. Auf Grund der strengen EU-Vorgaben über Wettbewerb und verbotene Subventionen dürfen derartige günstige Bedingungen aber nur an kleinere Firmen vergeben werden.

Für die Beihilfen gibt es sehr präzise Regeln und Beschränkungen, und die entsprechenden Kredite werden in enger Abstimmung mit den Ministerien, die für die Fördermaßnahmen zuständig sind, vergeben. Dabei wird sichergestellt, dass niemand sich doppelt bezuschussen lässt, einmal über staatliche Subventionen und einmal über einen günstigen SNCI-Zinssatz.

Die SNCI ist daneben, dank ihrer soliden Finanzausstattung, auch in der Lage, Kapitalbeteiligungen an Unternehmen zu erwerben oder sogenannte „prêts participatifs“, Darlehen mit Eigenmittel-Charakter, zu gewähren. Sie tut dies aber nur in Ausnahmefällen, sozusagen, wenn der Staat zur Schlussfolgerung gelangt, dass dies im nationalen Interesse ist.

Hebamme und Fabrikbesitzer

Das klassische Beispiel ist hier das Mitwirken der SNCI an der Gründung der Satellitengesellschaft SES im Jahre 1985, das notwendig erschien, um private Investoren in dieses Projekt zu locken. Nicht in Frage kommen aber für die SNCI beispielsweise Beteiligungen an Firmen, die mit anderen hierzulande im Wettbewerb stehen.

Ein weiteres Beispiel ist dasjenige des Öslinger Unternehmens CTI, dessen amerikanische Eigentümer nach 30-jähriger Tätigkeit den Betrieb 1993 schließen wollten, weil sie sich aus Europa zurückzogen. Die SNCI übernahm damals das gesamte Kapital und sicherte so das Weiterbestehen der Tätigkeit und den Bestand der Arbeitsplätze. Der Betrieb bekam somit die Chance, seine Geschäftsbasis kontinuierlich weiterzuentwickeln.

In den letzten Jahren schuf das Unternehmen sich für 12,7 Millionen Euro eine neue große Produktionsstätte in Eselborn und ist heute ein Vorzeige-Unternehmen für den ganzen Norden. Die 170 Mitarbeiter, davon 70 Ingenieure und Ingenieur-Techniker, produzieren Betriebskräne in Sonderausfertigung und beliefern unter anderem die Flugzeughersteller und die Wartungs- und Reparatur-Firmen der Fluggesellschaften mit großen Hebebühnen und Arbeits-Plattformen. Letztes Jahr erzielte die CTI bei einem Umsatz von 40 Millionen Euro einen Gewinn von 1,7 Millionen Euro. Derzeit ist die SNCI noch immer der einzige Eigentümer des leistungsfähigen Industrie-Unternehmens.

Neugründungen und Betriebsübernahmen

Aber die meisten Finanzierungen durch die SNCI betreffen Mittelständler, Freiberufler und Kleinunternehmer, vom sich neu niederlassenden Friseur bis zum traditionellen Hotelbetrieb, der seine Zimmer renoviert oder sich eine Sauna zulegt, vom jungen Handwerksmeister, der die Reparaturstätte seines bisherigen Arbeitgebers übernimmt bis zur Start-up-Firma für Sicherheits-Software im Internetbereich.

Daneben gibt es natürlich auch beispielsweise den mittelgroßen Zulieferer der Auto-Industrie, der teuere Forschungsanstrengungen finanzieren muss, damit seine bewährten Produkte auf dem letzten Stand der technischen Erwartungen seiner immer anspruchsvolleren Kundschaft bleiben. Früher spielte die SNCI eine wichtige Rolle bei der Einpflanzung neuer Industrien in Luxemburg, ein Kapitel Wirtschaftsgeschichte, das im Rahmen der Globalisierung geschlossen wurde.

Volkswirtschaftlicher Strukturwandel

„Die SNCI bemüht sich dabei ständig, ihr Instrumentarium den jeweiligen neuen Bedürfnissen der Unternehmen anzupassen“, erklärt SNCI-Präsident Gaston Reinesch weiter und fährt fort: „Wurden früher vor allem Maschinen, Installationen und Gebäude finanziert, so spielen nun die Ausgaben für Softwarelösungen, Patente und Lizenzen sowie die Kosten für Forschung, Entwicklung und Vermarktung eine immer wichtigere Rolle.“

So kann die Bank die strukturelle Modernisierung der Luxemburger Wirtschaft begleiten und steuern, ermöglichen und fördern. Alle ihre Anstrengungen geschehen natürlich im Hinblick auf den Erhalt und die Absicherung bestehender Arbeitsplätze, genau wie die Schaffung neuer Jobs. Eine Sorge ist dabei natürlich, dass neben dem dominierenden internationalen Finanzplatz Luxemburg auch noch andere leistungsfähige Sektoren in unserem Land erhalten bleiben und unsere Zukunft absichern.

Die SNCI steht im Dienste der meisten Bereiche der Wirtschaft, abgesehen von der Landwirtschaft, die bekanntlich ihre eigenen Fördermechanismen besitzt, und bestimmten Teilen des Handels. Geschäfte in den großen Einkaufszentren werden beispielsweise nicht finanziert. Auch die Akteure des internationalen Finanzplatzes bedürfen natürlich keiner Unterstützung durch die SNCI. Dafür hilft diese dem Hotel- und Restaurationsgewerbe wie den handwerklichen und industriellen Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, aber auch den One-Man-Betrieben und den interessierten Freiberuflern.

Maßgeschneiderte Lösungen

Die „Prêts de démarrage“ bei Firmen-Neugründungen laufen 10 Jahre, können aber bis zu 14 Jahren ausgedehnt werden. Die „Prêts à l‘innovation“ hingegen dienen vor allem dazu, Luxemburger Unternehmen die Möglichkeit zu geben, die neuesten technischen Erkenntnisse in ihre Produktions- oder Dienstleistungsprozesse einzuführen.

Bei der Finanzierung von Forschungsvorhaben im engeren Sinne arbeitet die SNCI eng zusammen mit den CRP, den „Centres de Recherche Publics“, und mit der Universität Luxemburg. Für diesen besonderen Bereich wurde ein Betrag von 4 Millionen bereitgestellt, für unabhängige Firmen (die also nicht zu großen Gruppen gehören) mit einer Belegschaft von weniger als 10 Personen, einem Umsatz beziehungsweise einer Bilanzsumme von weniger als 2 Millionen Euro.

Nachdem nun bereits mehrere besondere Finanzierungsinstrumente der SNCI angeführt wurden mit ihrer Zielrichtung und ihren Eigenarten, sollen abschließend die beiden großen Renner am Kreditschalter der SNCI vorgestellt werden: die „Crédits d’équipement“ mit einem soliden Fördercharakter für die kleinen Gewerbetreibenden sowie die längerfristige Finanzierung für wichtige Investitionsvorhaben.

Die beiden Renner

Ein populäres Instrument der SNCI für die Klein- und Kleinst-Unternehmen sind die sogenannten „Crédits d’équipement“. Sie werden zu einem Zinssatz von nur 2,5% und einer Laufzeit bis zu 10 Jahren vergeben, wobei die Kreditabwicklung durch die Hausbank des Antragstellers geschieht.

„Das Darlehen kann zwischen 25% und 60% der Investitionen erreichen, bei Firmengründungen sogar 75%“, rechnet SNCI-Präsident Gaston Reinesch vor. Der Mindestbetrag liegt bei 12.500 Euro, außer bei neuen Unternehmungen, während der Höchstbetrag normalerweise 2,5 Millionen Euro nicht übersteigen kann. Zugang haben nur Betriebe, die unterhalb der Grenzwerte liegen, die der Brüsseler Beihilfe-Kodex festsetzt unter Berücksichtigung des Umsatzes, des Betriebsvermögens und der Belegschaftsgröße.

Seit Bestehen der SNCI wurden mit diesem Instrument bereits Kredite in einer Gesamthöhe von 706 Millionen Euro vergeben, und zwar 298 Millionen an das Handwerk, 148 Millionen an das Hotelgewerbe, 132 Millionen an den Handel und 128 Millionen an die industriellen Betriebe.

Die mittel- und langfristigen Darlehen dagegen wenden sich an alle Industrieunternehmen und Dienstleister und können bis zu 25%-30% der zugelassenen Investitionen betragen. Der Zinssatz ist recht günstig, orientiert sich aber am Markt. Für solide Firmen gilt derzeit die „SNCI-prime rate“ von 3,50% bei mittelfristigen Krediten (Laufzeit 5 Jahre) und von 4,00% bei langfristigen Darlehen (bis zu 10 Jahren und in speziellen Fällen über 10 Jahre). Der Zinssatz ist fest für fünf Jahre, wobei der Kunde jedoch vorzeitig zurückzahlen darf, wenn er möchte.

Die moderne Staatsbank

Die SNCI prüft eingehend die Kreditwürdigkeit aller Projekte, verlangt die gleichen Sicherheiten wie die anderen Banken, also beispielsweise Hypothekar-Eintragungen, und stellt gegebenenfalls Bedingungen, indem sie beispielsweise eine Kapitalaufstockung des Unternehmens durch seine Eigentümer verlangt. Kreditausfälle bleiben dadurch sehr selten.

Alle Kreditzusagen und sonstigen Entscheidungen trifft der Verwaltungsrat selbst und tagt deswegen jeden Monat. Dabei arbeiten ihm eine Reihe von spezialisierten Arbeitsgruppen zu, welche die Kreditdossiers untersuchen und begutachten. Hier treffen sich die Mitarbeiter der SNCI mit Vertretern der jeweils betroffenen Ministerien und mit externen Fachleuten, um den Verwaltungsrat zu beraten.

Die SNCI ist ein wichtiger Bestandteil des Luxemburger öffentlichen Dienstes, ein leistungsfähiges Instrument im Dienste unserer Volkswirtschaft, ein starkes Argument des Produktions- und Dienstleistungs-Standortes Luxemburg.

PZ / sh

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