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„Musique Militaire Grand-Ducale de Luxembourg“: Kompanie und Harmonie

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„Die 22 Jahre waren ein einziger Höhepunkt“, beantwortet Lt-Col. André Reichling ganz geschickt unsere Frage nach Highlights in seiner langjährigen Amtszeit als „Chef“ der „Musique Militaire Grand-Ducale de Luxembourg“. Besondere Ereignisse habe es in dieser Zeit immer wieder gegeben, fügt er hinzu, so dass es äußerst schwierig sei, einen Höhepunkt speziell hervorzustreichen. „Die 22 Jahre waren einfach schön!“

Ein weites Feld

Die im Volksmund schlicht als „Militärmusék“ bezeichnete „Musique Militaire Grand-Ducale de Luxembourg“ hat einen mehrfachen Auftrag. Als Teil der Luxemburger Armee stehe sie zunächst einmal unserem Herrscherhaus uneingeschränkt zur Verfügung, wenn es darum gehe, feierliche Anlässe musikalisch zu umrahmen. Dabei könne es sich sowohl um offizielle Staatsbesuche als auch um Empfänge bei Hofe handeln.

Die zweite Priorität komme ganz klar der Luxemburger Regierung zu. „Wenn der Luxemburger Premierminister ausländische Besucher einlädt, stehen wir selbstverständlich zur Verfügung, um die richtige Nationalhymne auch im richtigen Augenblick zu spielen“. Schließlich komme die „Musique Militaire“ aber auch bei patriotischen Anlässen oder bei Feierlichkeiten innerhalb der Luxemburger Armee zum Einsatz, erklärt André Reichling weiter, ohne allerdings eine Priorität in diese Aufzählung legen zu wollen. Und seit der Reorganisation von Gendarmerie und Polizei werde die Militärmusik auch immer häufiger angefragt, um die Festlichkeiten der heutigen Großherzoglichen Polizei musikalisch zu gestalten, so beispielsweise die Vereidigungszeremonien oder die alljährliche Patronatsfeier zu Ehren des hl. Michel.

Nicht zu vergessen seien überdies die zahlreichen „kleineren Auftritte“ und Darbietungen der einzelnen Formationen wie die des Kammerorchesters, des Blechbläserensembles, des Instrumentalensembles, des Bläserquintetts, des Klarinettenquartetts, des Saxophonquintetts, der beiden „Dixie“-Formationen oder der Gruppe „Clairons et tambours“.

Zwei Bataillone, zwei Orchester

Doch schauen wir zunächst einmal zurück auf die Anfänge der heutigen „Musique Militaire Grand-Ducale“. „Im Zuge des Wiener Kongresses von 1815 und der damit verbundenen Gründung des Großherzogtums Luxemburg wurden in Echternach und in Diekirch zwei Jägerbataillone gegründet, denen jeweils eine Militärkapelle angegliedert wurde“, entnehmen wir einem geschichtlichen Rückblick. Das erste „großherzogliche Militärorchester“ sei dann am 29. Dezember 1842 in Echternach aus der Taufe gehoben worden mit an seiner Spitze als erster Orchesterchef Franz Ferdinand Hoebich. Damit sei gleichzeitig der Grundstein gelegt worden „für die erste und derzeitige Militärmusik.“

Interessant auch der Hinweis, dass es in den Anfangsjahren gleich zwei Ensembles gegeben habe. „1847 hat Jean-Antoine Zinnen, Komponist der luxemburgischen Nationalhymne ,Ons Heemecht’, als Dirigent des zweiten Militärorchesters seine Arbeit aufgenommen“, heißt es hierzu. Mit der Auflösung des Zweiten Bataillons im Jahre 1868 in Diekirch sei es allerdings gleichzeitig zum Zerfall des zweiten Militärorchesters gekommen, so dass Luxemburg seither nur noch über ein einziges Militärensemble verfüge.

Soziales Engagement

Die heutige „Musique Militaire Grand-Ducale de Luxembourg“ setzt sich aus rund 60 Profimusikern zusammen. Seit 1986 dirigiert Lt-Col. André Reichling das Ensemble, das in klassischer Harmoniebesetzung nach dem belgisch-französischen Muster spielt.

„Heute tun wir vorrangig Dienst für unser Herrscherhaus, den Großherzog und das großherzogliche Palais, und dann für die Regierung und die Armee“, fasst der Orchesterchef die Aufgaben des Harmonieorchesters noch einmal in einem einzigen Satz zusammen. Darüber hinaus wolle er aber auch auf den „rein künstlerischen Aspekt“ mit alleine in Luxemburg zwischen 40 und 45 Konzerten im Jahr hinweisen. Allein das schon sei eine beachtliche Leistung. Gleichzeitig habe sich das Ensemble auf diese Weise einem sozialen Engagement verschrieben. André Reichling: „Jeder Einwohner des Landes hat meines Erachtens das Recht, die Konzerte der Militärmusik so nahe wie möglich an seinem Wohnort zu besuchen, und zwar kostenlos. Und wenn am Ende eines Konzertes eine auf freiwilliger Basis beruhende Kollekte durchgeführt wird, kommt der Ertrag vollständig einem sozialen Werke zugute.“

Darüber hinaus produziert die Militärmusik jedes Jahr eine CD mit Unterstützung der „Amis de la Musique militaire“. Mittlerweile ist auf diese Weise eine ganz hübsche Sammlung entstanden, die gewissermaßen das Spiegelbild der Militärmusik in all ihren Facetten ist. Interessenten sei ein Besuch auf der Internetseite der „Frënn vun der Militärmusék“ jedenfalls wärmstens empfohlen, und zwar unter: www.fvmm.lu/disques.php

Unteroffizier und Berufsmusiker zugleich

Was die Besetzung der Militärmusik betreffe, habe der Orchesterchef sicherlich seine ganz konkreten Vorstellungen, sagt der Korps-Leiter. Zunächst einmal gehe es darum, stets eine gewisse Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Instrumenten zu erreichen. Bei den derzeit rund 60 Musikern handle es sich ausschließlich um Berufsmusiker, die entweder an einem der drei Luxemburger Musikkonservatorien oder an einem ausländischen Konservatorium bzw. einer ausländischen Musikhochschule studiert hätten. Als Unteroffiziere der Luxemburger Armee hätten sie wohl die 16-wöchige Grundausbildung („instruction de base“) absolviert, darüber hinaus aber keinen weiteren militärischen Dienst leisten müssen.

Sein besonderer Dank wolle er in diesem Zusammenhang dem Verteidigungsminister und damit der Regierung aussprechen „für ihre Bereitschaft, die Besetzung ab 1. Januar 2008 auf 75 Musiker zu erweitern“, was gerade in Zeiten, in denen überall der Rotstift angesetzt werde, alles andere als eine Selbstverständlichkeit sei.

Dass sich in jüngster Vergangenheit immer mehr Frauen für die Ausbildung zur Berufsmusikerin entschieden haben, wertet André Reichling als „eine erfreuliche Entwicklung“. Um ein Instrument zu erlernen, brauche man bekanntermaßen viel Ausdauer und eine Menge Durchhaltevermögen. Diese beiden Eigenschaften finde man heute vielleicht eher bei jungen Frauen, urteilt der Orchesterchef. Genau wie ihre männlichen Kollegen müssten auch sie ein Abschlussdiplom („diplôme de premier prix“) in einem bestimmten Instrumentallehrgang vorlegen und darüber hinaus zumindest noch einen Teilabschluss in einem zweiten Instrumentalfach vorweisen können.

Musterung bleibt nicht aus

Bevor sich die Anwärter zur Militärmusik der regelmäßig durchgeführten Auswahlprüfung stellen dürften, müssten sie allerdings – wie alle anderen Anwärter zum Militärdienst – erst einmal „gemustert“ werden. Oder anders ausgedrückt: „Wer Militärmusiker werden möchte, muss zunächst einmal für armeetauglich befunden werden.“ Nicht einmal überspitzt formuliert bedeutet das, dass ein Anwärter, der den Leistungstest im Sport nicht besteht, niemals Militärmusiker werden kann. Schließlich seien die Militärmusiker, wie eben schon erwähnt, Unteroffiziere der Luxemburger Armee und müssten demzufolge auch die für diese Karriere geltenden Zugangsbedingungen erfüllen – und das ohne Wenn und Aber.

An die rein militärische Ausbildung knüpfe sich dann eine 24-monatige Stagezeit an, nach der die Musiker ihr Einstellungsexamen zum Staatsdienst ablegten. Ab diesem Zeitpunkt dürften sie sich dann auch „Berufsmusiker“ nennen, in der Laufbahn eines Unteroffiziers der Luxemburger Armee.

Dass das Durchschnittsalter der Militärmusiker recht niedrig sei, komme übrigens nicht von ungefähr. Als der obligatorische Militärdienst in Luxemburg abgeschafft worden sei, habe die „Musique militaire“ gerade noch um die 40 Musiker gezählt. Um den Bestand aufzustocken seien dann unter dem Impuls des damaligen Korps-Chefs, Pierre Nimax, zahlreiche Musiker auf einmal rekrutiert worden. Viele von ihnen hätten mittlerweile allerdings das Pensionsalter erreicht und müssten durch jüngere Kollegen ersetzt werden, wodurch das Durchschnittsalter natürlich erheblich gesenkt werde. Damit sich eine ähnliche Situation – zu viele Abgänge auf einmal – nach Jahren nicht noch einmal wiederhole, wolle er, André Reichling, zu viele Einstellungen gleichzeitig vermeiden und diesen Vorgang stattdessen über mehrere Jahre hinausziehen.

Bewundernswert sei sicherlich auch der Umstand, dass sich gerade die jüngeren Musiker quasi ausnahmslos an ausländischen Musikhochschulen weiterbildeten. Als Angehörige der Luxemburger Armee besuchten sie parallel dazu aber auch noch weitere Fortbildungskurse eben innerhalb der Armee. Hinzu kämen die fast täglich stattfindenden Orchesterproben. Insgesamt sei das Engagement der Musiker als überdurchschnittlich zu werten. Neben dem Einsatz der Musiker und Musikerinnen, die sich mit viel Hingabe ihrer Leidenschaft widmeten, wolle er aber auch das exemplarische Engagement des administrativen Sekretärs der Militärmusik, Nello Zigrand, nicht unerwähnt lassen, der, gerade was den organisatorischen Teil des Orchesters angehe, Erhebliches leiste.

Breitgefächertes Repertoire

Die täglichen Proben unterscheide die Militärmusik beispielsweise von anderen Ensembles, die sehr häufig nur am Wochenende probten. „Wir haben es hier mit Berufsmusikern zu tun. Die täglichen Proben ermöglichen es, über ein außerordentlich großes Repertoire zu verfügen.“

Dass das Repertoire in der Tat sehr breitgefächert ist, davon können sich die Konzertbesucher immer wieder überzeugen. Es reicht von protokollarischer Musik und Märchen über Originalmusik für Blasorchester bis hin zu Transkriptionen, d.h. der Umschreibung von einer Notenschrift in eine andere. Dass es bei der Militärmusik aber auch schon mal rhythmisch zugehen kann, davon zeugten die beiden in jüngster Vergangenheit gemeinsam mit der Luxemburger Formation „Fascination“ gegebenen Konzerte. „Stationiert“ ist die Militärmusik übrigens im hauptstädtischen Musikkonservatorium auf dem Campus „Geeseknäppchen“ in Merl. Ähnlich gute Kontakte wie zum hauptstädtischen Musikkonservatorium pflege man allerdings auch zu dem Konservatorium in Esch-Alzette und dem in Ettelbrück beheimateten „Conservatoire de Musique du Nord“, unterstreicht der Orchesterchef.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die luxemburgische Musikszene insgesamt wohl kaum ihren derzeitigen Stellenwert ohne das direkte Einwirken der Militärmusiker erreicht habe. Viele von ihnen betätigen sich in ihrer Freizeit auf lokaler Ebene als hervorragende Dirigenten von lokalen Ensembles, wodurch sie über ihr berufliches Engagement hinaus Beachtliches für den Musikschauplatz Luxemburg leisten.

Was den Stellenwert der Militärmusik innerhalb der Luxemburger Armee betreffe, spreche das Armeegesetz eine ganz deutliche Sprache, erklärt der Orchesterchef diesen Aspekt. „L’armée comprend une musique militaire“, zitiert André Reichling den entsprechenden Text. Demzufolge handle es sich bei der Militärmusik um eine administrative Einheit, die auf gleicher Augenhöhe anzusiedeln sei wie alle anderen militärischen Kompanien. „Wir sind diejenige Kompanie, die Musik macht“, bringt es André Reichling kurz, aber präzise zum Ausdruck.

Im Ernstfall nicht im Abseits stehen

Dass ein Militärmusiker im Ernstfall – im internationalen Krisenfall etwa – nicht von heute auf morgen „das Licht ausschalten“ und „gelassen nach Hause gehen“ könne, sei allerdings ebenso richtig. Vorstellen könnte man sich beispielsweise, dass die Militärmusiker in diesem Falle auf Ebene des „Etat major“ verwaltungstechnische Aufgaben wahrnehmen könnten, „weil die Angehörigen des Kommandos ja dann vielleicht an anderer Stelle, am Krisenherd etwa, benötigt werden.“ Und André Reichling weiter: „Bei unseren Musikern handelt es sich wohl um Militärs, die im Prinzip keine Waffe tragen, sich im Ernstfall allerdings nicht so ohne Weiteres aus der Affäre ziehen können.“

Der Weg zum „Chef“ der Militärmusik ist ein „langer Marsch“: Bewerber müssen zunächst einmal eine Sekundarschule erfolgreich abgeschlossen haben. Vorausgesetzt wird des Weiteren ein Master-Diplom in Orchesterdirektion. Erst dann kann man sich für diesen Posten bewerben und sich der Auswahlprüfung stellen. „Abgesehen von dem zusätzlich verlangten Master-Diplom in Orchesterdirektion sind die Voraussetzungen dieselben, die auch für den Zugang zur Offizierslaufbahn erforderlich sind“, zieht der Korps-Chef einen Vergleich. Ähnlich wie der Armeearzt oder -zahnarzt erhalte auch der „Chef“ der Militärmusik einen militärischen Rang. Habe er die Auswahlprüfung einmal bestanden, stehe wie bei jedem anderen Armeeoffizier eine zweijährige Stagezeit an. Während dieser Zeit absolviere er dann auch seine militärische Ausbildung.

Über die Landesgrenzen hinaus

Insbesondere in jüngster Vergangenheit habe die Militärmusik mindestens alle zwei Jahre die Gelegenheit einer Auslandstournee wahrgenommen, erklärt Lt-Col. André Reichling ihre Aktivität über die Landesgrenzen des kleinen Luxemburgs hinaus. Dass solche Auslandsaufenthalte stets einen Kostenfaktor darstellen, weiß der „Chef“ der Militärmusik nur allzu gut. Nichtsdestotrotz sei die Entscheidung des Ressortministers, diese Tradition fortführen zu wollen, begrüßenswert, „weil die Militärmusik auf diese Weise auch zum Aushängeschild Luxemburgs im Ausland wird“, wie es vor Jahren einmal ein Journalist der „födekam“, der Publikation des gleichnamigen ostbelgischen Musikverbandes, treffend auf den Punkt brachte. Fester Bestandteil dieser Aktivitäten, so Lt-Col. André Reichling weiter, seien Auftritte in Österreich, aber auch in der näheren Umgebung wie beispielsweise in Brüssel und in Saarbrücken.

Als eine der größten Herausforderungen der nahen Zukunft sieht der Orchesterchef in erster Linie die vorhin bereits erwähnte Aufstockung des Bestandes von derzeit 60 auf künftig bis zu 75 Musiker. Auch geht er davon aus, dass der Beliebtheitsgrad des Harmonieorchesters gerade auch im Ausland noch weiter ansteigen werde, „so dass wir in Zukunft vermutlich noch öfter für Auslandskonzerte angefordert werden.“ Enge Kontakte bestünden bereits heute zu einer ganzen Reihe von Ensembles, mit denen man sich beispielsweise auch einen internationalen Austausch vorstellen könnte. Erste positive Erfahrungen in diesem Sinne habe man etwa mit Österreich gemacht, wo der Dirigent eines österreichischen Ensembles die Luxemburger Militärmusik dirigiert habe. Ganz enge Verbindungen gebe es überdies mit Staaten wie Lettland und Estland, die seit der Osterweiterung hergestellt und intensiviert worden seien. Auch wolle man den Kontakt zur „Musique Royale des Guides“ aus Brüssel „wieder aufleben“ lassen, „weil dieses Ensemble ähnliche Strukturen hat wie unsere Militärmusik.“

Nahe dran

Einen ganz besonderen Höhepunkt aus seiner mittlerweile über 22-jährigen Laufbahn wollte uns der „Chef“ der Militärmusik, wie ganz zu Beginn erwähnt, wohl nicht verraten. Dass es aus all dieser Zeit aber sicherlich die eine oder andere Anekdote zu erzählen gebe, konnte André Reichling im Gegenteil nur bejahen. „Vor zwei oder drei Jahren hatten wir mal Besucher aus Ländern zu Gast, von denen man nicht einmal wusste, dass es sie überhaupt gebe“, schildert er ein solches Beispiel. Und dann sei man halt froh gewesen, schließlich „zumindest eine Andeutung an deren Nationalhymne im Internet gefunden zu haben.“ Aufgabe des „Chefs“ sei es dann gewesen, diese Fassung so auf die Bedürfnisse eines Harmonieorchesters zuzuschneiden, „dass wir mindestens ansatzweise ans Original herankamen.“ Dass das in diesem konkreten Fall offensichtlich gelungen sein musste, davon habe zumindest die Reaktion der geladenen Gäste gezeugt. André Reichling scherzhaft: „Zumindest hat niemand eine Bemerkung gemacht, die aufs Gegenteil hätte schließen lassen…“

s.h.

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