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Trotz anhaltender internationaler Turbulenzen: Luxemburger Konjunkturerholung mündet in günstige Langzeitperspektiven

Weiterhin lösen sich in den Wirtschaftsnachrichten ermutigende Informationen und alarmierende Erklärungen ab. Wenn daher die Lage für die Öffentlichkeit weiterhin etwas verworren bleibt, so sind sich doch die Experten – nach einer längeren Zeit der generellen Unsicherheit – jetzt darüber einig, dass sich der Horizont aufhellt.

Alle Schwierigkeiten sind gewiss nicht überstanden, doch lassen sich die verbleibenden Problembereiche klar eingrenzen.

Wohl bieten uns die Finanzmärkte auch weiterhin diverse Scharmützel, von der herabgestuften Kreditwürdigkeit oder der möglichen Zahlungsunfähigkeit bestimmter Staaten bis zu Beunruhigungen über die Entwicklung des Eurokurses, gewisser Börsenwerte oder der Energie- und Rohstoffpreise. Wichtig ist dabei, dass die internationale politische Zusammenarbeit nun ordentlich funktioniert.

Und dies tut sie, jedenfalls in der Substanz. Der gegenteilige Eindruck entsteht hauptsächlich durch unüberlegte Verlautbarungen einzelner Politiker an die Adresse ihrer jeweiligen nationalen Wahlklientel, womit sie die sensiblen Akteure der internationalen Finanzmärkte verwirren, was zu stets neuen Aufregungen führt. Im Übrigen zieht die Konjunkturerholung natürlich auch keinen Nutzen aus dem lautstarken politischen Zweckpessimismus der Austeritätsprediger.

Der Aufschwung setzt ein

Die Beurteilung der Lage muss unterscheiden zwischen den dauerhaften strukturellen Belastungen, die sich in den meisten Ländern nur durch jahrelange Anstrengungen werden verbessern lassen, und der einsetzenden konjunkturellen Erholung. Diese hat nun auch Europa erfasst, wenngleich sie nicht in allen Wirtschaftsbereichen und allen Ländern gleich schnell fortschreitet. Die neuen Konjunkturdaten verlangen zudem, in das jeweils richtige Licht gerückt zu werden, was unsere Medien sträflicher Weise unterlassen.

In der Presse lesen wir etwa, dass die Arbeitslosenrate hierzulande binnen drei Monaten von 6,5% im Februar auf 5,7% im Mai gesunken ist. Der Rückgang um -0,8 Prozentpunkte ist selbstverständlich eine sehr positive Nachricht, aber doch nicht so spektakulär, wie es auf den ersten Blick erscheint. Im Frühjahr ist nämlich alljährlich ein Rückgang der Anzahl von Stellensuchenden üblich, für die Periode Februar bis Mai meistens zwischen 0,4 und 0,7 Punkte; nur 2009 blieb die Verbesserung mit nur -0,2 weitgehend aus.

Zahlen-Wirrwarr

Die Rate von 6,5% im Februar 2010 ist der bisherige historische Rekord in Luxemburg. Doch auch im Mai 2010 liegen wir mit 5,7% – gegenüber 4,0% im Mai 2008 – auf einem Niveau, das jenes von vor 24 Monaten um 42,5% übertrifft. In die Nähe von 7% allerdings, wie von der Fachwelt allgemein befürchtet, ist unsere Arbeitslosenrate glücklicherweise nicht gestiegen, vor allem auch dank der mutigen und aufwändigen Kurzzeitarbeit-Maßnahmen.

Zudem muss man hervorheben, dass der Arbeitsmarkt den anderen Konjunktur-Parametern um viele Monate hinterherläuft. Der jetzt einsetzende Aufschwung kann also, wenn er sich bestätigt und sogar verstärkt, erst nächstes Jahr voll auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Spätestens dann wird mit Sicherheit wieder von einem akuten Mangel an qualifiziertem Personal die Rede sein.

Doch auf eines müssen wir gefasst bleiben: Die Arbeitslosigkeit unter den Nicht- und den Niedrig-Qualifizierten wird langfristig ein enormes Problem bleiben, das kein Aufschwung, so stark er auch sei, lösen wird. Hier haben wir es mit einer strukturellen Schwäche zu tun, die nicht erst durch die Krise hervorgerufen, wohl aber durch sie deutlich verstärkt wurde.

Unsere Arbeitsmarktlage wurde in letzter Zeit stark belastet durch den Einbruch in der Exportindustrie, für welchen der nicht mehr überteuerte Euro nun eine willkommene Erleichterung bringt, nicht nur in Deutschland, sondern auch für Luxemburg. Die Exporte nach Südeuropa werden sich aber kaum verbessern, denn dort bleibt die Wirtschaftsentwicklung schwach, weil die Regierungen hohe Budgeteinsparungen und Steuererhöhungen vornehmen und den Aufschwung nicht fördern können.

Disziplin für die Disziplinlosen

Dass die Sanierung der enormen Haushaltsdefizite und die Eindämmung der teils gigantischen Staatsverschuldung nun in Europa vielerorts prioritär geworden sind, das verdankt man paradoxaler Weise den gierigen Finanzspekulanten. Erst deren Angriffe auf Staatspapiere und Eurokurs zwangen die Regierungschefs und ihre Finanzminister zum Handeln.

Wohl hatte man vor einem Dutzend Jahren anlässlich der Schaffung des Euro-Währungsraumes vernünftige Budgetregeln vereinbart, doch deren Einhaltung konnten viele Regierungen von Anfang an sträflich unterlaufen, weil nur die Finanzminister, in ihrer Europäischen Kollegenrunde, sich selbst sanktionieren durften und … es eben nicht taten.

Dass viele Staaten in den letzten Jahren, in durchaus guten Zeiten, ihre Finanzen verlottern ließen, das ist heute, im Angesicht der Krisenfolgen, eine ungeheure Belastung. Dabei ist Luxemburg indirekt mit betroffen durch die Probleme seiner Nachbarn und Geschäftspartner, auch wenn sich unsere eigenen Zahlen deutlich vorteilhafter darstellen.

Yes, cela redémarre!

Glücklicherweise zeichnet sich nun deutlich ab, dass Luxemburg – als ein Land mit sehr gesunden Staatsfinanzen und mit genauso dynamischen wie soliden Wirtschaftsstrukturen – nicht nur die Krise besser überstanden hat als andere, sondern auch konjunkturell schneller durchstarten kann. Die Statec-Zahlen beziffern den Rückgang unseres Bruttoinlandsproduktes (BIP) für 2008 und 2009 kumulativ auf nur -3,4% (gegenüber beispielsweise -10,5% in Irland!).

Für 2010 und 2011 sehen die jüngsten Schätzungen schon wieder einen Zuwachs um zweimal +3,0% vor; auf dem Tripartite-Tisch lag noch die Prognose einer Erholung um bloß +2,5% und +2,8%. Unsere Perspektiven sind also viel günstiger als jene in Deutschland (+1,9% für 2010), Frankreich (+1,7%), Belgien (+1,4%) und den Niederlanden (+1,2%), nicht zu sprechen von Griechenland (-3,7%). Wie den europäischen Durchschnitt, so übertrifft unser Wachstum auch jenes der USA und Japans.

Auch das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit gemäß der ominösen Maastricht-Berechnung lag 2009 in unserem Falle bei -0,7% des BIP, wodurch wir eines der 2 einzigen Länder im Euro-Raum und eines von nur 5 EU-Ländern waren, die die Maastricht-Norm von maximal -3,0% respektieren. Die amtliche Behauptung, in Luxemburg gäbe es für 2010 ein Defizit bei -3,9%, mit der man die drastischen Sparmaßnahmen in der Tripartite zu begründen versuchte, ist geplatzt: Die jüngste Statec-Konjunkturnote sieht hier nur noch ein Manko von -2,1% des BIP. Maastricht-Defizit, ade!

Schließlich sind 2009 unsere Staatseinnahmen, allen Unkenrufen zum Trotz, bloß um -1,3% zurückgegangen, auch wenn das Volk dies nicht erfahren konnte aus der Regierungs- wie der Oppositionspresse, welche erstaunlich gleichgeschaltet erscheinen, wenn es um die Einschätzung der Lage und um den politisch erwünschten Sparkurs geht. Und in den 5 ersten Monaten von 2010 erholten sich die Einnahmen des Schatzamtes gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr um 420 Millionen Euro oder mehr als +10 %, was die Regierung wegen IWF-Regeln zwar nicht verheimlichen darf, die gesamte Luxemburger Presse aber beharrlich verschweigt.

Turnaround am Finanzplatz

Viele wirtschaftliche Parameter weisen aufwärts, nicht nur die Arbeitsmarkt-Daten und die Staatseinnahmen. Bereits 2009 lag der Geschäftsertrag aller Banken in Luxemburg etwa +1% über Vorjahresniveau, und damit nur -2,5% beziehungsweise -4,0% unter den Rekordjahren 2007 und 2008. Der Gewinn vor Rückstellungen verbesserte sich gegenüber 2008 um +4%, und der Reingewinn nach Steuern wurde sogar mit 12,5 multipliziert, womit er wieder die Größenordnung der Jahre 2001 bis 2004 erreichte. Diese positive Entwicklung begründet wohl auch das schnelle Wachstum der Staatseinnahmen.

Das Einlagen-Volumen aller Luxemburger Investmentfonds, das von Oktober 2007 bis März 2009 um -27% gefallen war, vor allem durch Kurseinbrüche auf den Wertpapiermärkten, aber auch durch Netto-Abflüsse von Kapitalien, steigt seit März 2009 wieder rasant an. In 13 Monaten legte man hier immerhin +32% oder 486 Milliarden Euro zu.

Allein die 4 ersten Monate von 2010 erbrachten einen Aufschwung von 172 Milliarden Euro, also von mehr als dem Vierfachen unseres BIP oder etwa dem 18-fachen unseres Staatshaushaltes. Von diesen 172 Milliarden sind 60% der Kurserholung geschuldet, während 40% aus Netto-Einzahlungen der Kundschaft stammen. Im Schnitt werden derzeit wöchentlich netto zusätzliche 4 Milliarden Euro nach Luxemburg transferiert.

Positive Ausblicke

Demnach hat der offene Optimismus der Verantwortlichen des Fondsverbandes ALFI eine sehr solide Grundlage. Die Summe der verwalteten Vermögen, die „VNI“ oder „Valeur nette d’inventaire“, ist die wichtigste Bezugsgröße für die Berechnung der von Banken und Fondsverwaltern verdienten Provisionen wie auch beispielsweise der staatlichen „Taxe d’abonnement“.

Die vorgeschlagene EU-Richtlinie über die „alternativen Investmentfonds“, die trotz des erbitterten Widerstandes des Finanzplatzes London im Herbst verabschiedet werden wird, erfüllt eine Reihe hiesiger Experten mit verstärkten Hoffnungen. Luxemburg erwartet dadurch die Niederlassung von bereits bestehenden internationalen Fonds, die jetzt noch außerhalb der Europäischen Union angesiedelt sind und ihre weltweiten Marktchancen verbessern wollen durch den Erwerb des Gütesiegels „EU-Pass“.

Zu den beiden bisherigen Standbeinen der Luxemburger Fondsindustrie, den traditionellen UCITS-Fonds, auch unter dem französischen Akronym OPCVM bekannt, die nach europäischem Recht für jedermann in der Union verfügbar sind und weltweites Ansehen genießen, und den vor einigen Jahren geschaffenen Spezialfonds „FIS“ nach Luxemburger Recht, die sich nur an wohlinformierte Großanleger wenden, kommt somit nun eine dritte Fondsgruppe hinzu, die sogenannten „Newcist“, die eine größere Flexibilität in der Anlagestrategie mit einer soliden Überwachung in der Abwicklung kombinieren werden.

Umschichtungen

Parallel dazu lodert die schräge Steuerparadies-Polemik immer wieder auf und verunsichert und vertreibt natürlich bestimmte Bankkunden aus Luxemburg, vor dem Hintergrund der erforderlichen Luxemburger Zugeständnisse bei den Auskunftspflichten nach OECD-Norm. Somit ist nicht in allen Sparten des hiesigen Bankgeschäftes nur Sonnenschein angesagt, auch wenn der Handel von Steuerverwaltungen mit geklauten Kundendaten sowie die diversen Steueramnestie-Gesetze uns weniger treffen als etwa die Schweiz oder Liechtenstein.

Spätfolgen der Finanzkrise spürt unser Bankenplatz nicht zuletzt deshalb, weil einzelne Luxemburg-Töchter europäischer Finanzkonzerne die Konsequenzen ertragen müssen für Probleme und Strategiewechsel in ihrem Mutterhaus, mit Fusionen und Veräußerungen sowie der Aufgabe ganzer Geschäftsbereiche.

Dabei erweist sich auch, dass die EU-Kommission das Fehlverhalten diverser Großbanken, die nationalstaatliche Finanzspritzen und Beihilfen beanspruchen mussten, damit ahndet, dass sie sie zwingt, ihre Luxemburger Niederlassungen oder Zweigstellen zu schließen, obschon diese rentabel (und oft hochrentabel) sind und in keinerlei Weise in die Fehlentwicklungen der letzten Zeit involviert waren. Im Europäischen Zoo sind zwar alle Tiere gleich, die kleinen aber weniger gleich als die anderen.

Verbreiterung der Geschäftsbasis…

Insgesamt überwiegen jedoch die positiven Aussichten in den neuen Bereichen unserer Dienstleistungs-Wirtschaft, vor allem auch über die Banken- und Fondswelt hinaus. Die Versicherungsbranche beispielsweise vermeldet, dass bei den Lebensversicherern im 1. Trimester 2010 rund 5,0 Milliarden € an Prämien eingenommen wurden gegenüber 2,3 Milliarden im gleichen Zeitraum des Vorjahres, eine Steigerung um 114%, also mehr als eine Verdoppelung.

Dieses plötzliche enorme Wachstum muss als eine Konsequenz der Bankenkrise gesehen werden: Da steigen wohlhabende Leute aus Bankkonten aus und in Versicherungsverträge ein. Eine derartige Entwicklung wird kaum lange anhalten, sie verdeutlicht jedoch, dass man im Geschäft bleiben kann – selbst wenn sich die Bedürfnisse und die Vorlieben der ausländischen Kunden schnell und fundamental verändern – wenn man nur breit genug aufgestellt ist, um die einerseits abfließenden Gelder andererseits wieder auffangen zu können. Dass unser Finanzplatz in den letzten 20 Jahren vor allem in die Breite gewachsen ist, statt in die Höhe zu schießen, das kommt uns jetzt zugute.

Die ständige Erweiterung der Geschäftsbasis, was Kundschaft, Produktpalette und geographische Zielmärkte betrifft, sollte somit weiterhin eine erste Priorität bleiben, um unsere Perspektiven dauerhaft abzusichern. Die staatlichen und privaten Anstrengungen der letzten Jahre, sowohl mit Prospektionsreisen und Roadshows als auch durch kontinuierliche juristische Innovationen und die permanente Weiterbildung der Mitarbeiter, zahlen sich nach und nach aus.

… über den Bankenbereich hinaus

Um von der ominösen grauen OECD-Liste der Steuerparadiese gestrichen zu werden, waren neue bilaterale Abkommen zur Doppelbesteuerungsvermeidung erforderlich. Die diesbezügliche Luxemburger Gegenoffensive hat unserem Land nun eine lange Liste solcher Verträge eingebracht.

Vor allem den Strategen weltweit agierender Unternehmen ist nicht entgangen, dass wir nun gültige Verträge mit 57 Staaten haben, während Verhandlungen mit 16 weiteren laufen. Hier wurden sehr schnell neue Standortvorteile geschaffen, nicht nur für den Finanzplatz, dank einer großen Kraftanstrengung des angeblich – wenn man der Fedil-Hetze glaubt – total unproduktiven öffentlichen Sektors.

In jüngster Zeit zeigt sich, allerdings unbemerkt durch die breite Öffentlichkeit, eine klare Tendenz bedeutender internationaler Firmen, auch außerhalb der Finanzwelt und der Fondsindustrie, sich in Luxemburg anzusiedeln, sei es mit ihren Oberholdings, ihren Finanzierungsabteilungen oder mit anderen Einheiten.

Unternehmens-Migrationen

Unter vielen sei hier nur der eine oder andere Einzelfall erwähnt. Beispielsweise einer der 10 größten Rückversicherer der Welt, die in New York notierte Flagstone Reinsurance, der unlängst seinen Hauptsitz von den Bermudas nach Luxemburg verlegt hat, „a major financial center known for its stability as well as its financial sophistication“, wie der Umzug begründet wurde. Oder das Erzabbau-Unternehmen Northland Resources, das in British Columbia (Kanada) gegründet wurde, sich aber vor allem in Europa zu entwickeln gedenkt. Derzeit errichtet es in hohen Norden an der schwedisch-finnischen Grenze ein riesiges Erzfeld, samt Eisenbahn zum Meer und Cargo-Hafen, das in etlichen Jahren die bedeutendste Erzgewinnung Europas darstellen wird.

Ausdrücklich auf unser dichtes Doppelbesteuerungsnetz bezog sich, anlässlich seines Umzugs nach Luxemburg, die Unternehmensgruppe Intelsat, der größte Satellitenbetreiber der Welt, der die wichtigste Niederlassung in Washington/USA belässt, dafür aber seinen Firmensitz und alle Finanzierungsgesellschaften im Dezember letzten Jahres von den Bahamas nach Luxemburg verlegte.

Globale Hauptquartiere

Dieses Unternehmen, das über 50 geostationäre Fernmeldesatelliten betreibt, also noch mehr als die SES, ist 20 Jahre älter als sein Betzdorfer Konkurrent, aber etwas weniger ertragreich, weil es nicht präsent ist im sehr profitablen europäischen Fernsehmarkt. Übrigens wurde sein Umzug erst Monate später von den hiesigen lokalen Journalisten bemerkt, als die SES auf einer Pressekonferenz darauf hinwies. Übersehen hatte man es trotz der Veröffentlichung von Stellenangeboten und (großflächigen, aber kleingedruckten) Finanzanzeigen im „Wort“, als die Intelsat-Schuldverschreibungen ihre Nationalität wechselten.

Oft steht die Ansiedlung globaler oder gesamteuropäischer Unternehmenssitze oder Firmenbereiche in Luxemburg in Verbindung zu den in den letzten Jahren geschaffenen neuen juristischen Instrumenten, angefangen bei den einfachen Beteiligungsgesellschaften (SoParFi) bis hin zu den Risikofonds (SICAR) und Spezialfonds (FIS), im ganzen Bereich von Asset Management, Venture Capital und Private Equity.

Diese Strukturen lassen sich natürlich auch nutzen ohne reale Geschäftsführung in Luxemburg. Haben die Investoren aber einmal den soliden und proaktiven staatlichen Rahmen, das leistungsfähige private Angebot an Dienstleistungen sowie das offene, polyglotte, multikulturelle, kosmopolitische Arbeitsambiente kennengelernt, kommt oft das eine zum anderen.

Abgesehen von einigen Einzelfällen – so wurde etwa die gesamteuropäische Einkaufszentrale des Mobilfunkunternehmens Vodafone sofort ein bedeutender Luxemburger Arbeitgeber – handelt es sich bei diesen Neuzugängen jeweils nur um einige, bestenfalls um einige Dutzend zusätzliche Arbeitsplätze, doch sind diese Tätigkeiten stets hochwertig und ziehen meist ein unabsehbares Ausbaupotenzial nach sich.

Bien branché

Als vor einigen Jahren aus Mehrwertsteuer-Gründen die ersten amerikanischen Firmen des Bereiches der Internetdienste für europäische Privathaushalte sich in Luxemburg niederließen, wiegelte die Regierung ab mit dem Hinweis, es gehe günstigenfalls um ein paar Dutzend neue Jobs. Heute aber zählt der Bereich des Internet-Handels überseeischen Ursprungs und der Internet-Telefonie bereits mehr als 400 Beschäftigte.

In diesem Geschäftsbereich wurde zudem kein konjunktureller Einbruch verzeichnet, so dass die Luxemburger Mehrwertsteuer-Einnahmen aus diesem Business sich im Haushaltsjahr 2009 auf 390 Millionen Euro beliefen, bei einem Jahreszuwachs von fast +17%. Der enorme TVA-Segen für den Luxemburger Staatssäckel wird zwar ab 2015 beendet werden, doch die erklärte Strategie, bis dann die Präsenz der überseeischen www-Akteure mit neuen Standortvorteilen hier verankert zu haben, scheint erfolgreich abzulaufen.

Den hohen öffentlichen Investitionen für eine superstarke Breitband-Anbindung Luxemburgs an die Knotenpunkte des globalen Netzes folgt nun eine starke Nachfrage nach Datenverarbeitungs-Kapazitäten. So sind, neben den bereits bestehenden hochmodernen Data-Centers, nun gleich mehrere zusätzliche im Bau oder in Planung. Auch das eine oder andere US-Unternehmen erwägt derartige hohe Investitionen in Luxemburg, während Amazon zudem die Schaffung einer Bank in Luxemburg beabsichtigt.

Weniger abhängig

Kurzfristig schlägt sich die hier beschriebene Entwicklung noch nicht substantiell in den volkswirtschaftlichen Konten nieder. Sie verdeutlicht aber eindrucksvoll, dass die notwendig gewordene Umschichtung unseres Finanzsektors nicht nur denkbar ist, sondern bereits kräftig eingesetzt hat. Eine besondere Chance besteht zudem darin, dass sich uns nun erstmals eine Gelegenheit bietet, weniger abhängig vom reinen Bankbusiness zu werden, bei einer ungebremsten Weiterentwicklung der exportorientierten Dienstleistungen.

In diesem neuen Panorama, das sich hier für die Nachkrisen-Zeit Luxemburgs abzeichnet, überwiegen die hellen Zonen deutlich gegenüber den Schattenseiten. Diese Vision ist keine optimistische Schimäre, denn sie ist bereits jetzt mit eindeutigen Zahlen und mit konkreten Beispielen unterlegt.

Sie widerspricht allerdings dem Krisenlamento und der Austeritäts-Propaganda unserer altbackenen Industrie-Lobbyisten sowie dem „politisch korrekten“ Mainstream-Denken, wie es heute in der veröffentlichten Meinung, bei den Sonntagsrednern und bei allen Yes-Yes-Schreibern vorherrscht.

V.

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