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100 Jahre Gewerkschaftsbewegung im öffentlichen Dienst: Ein Nachschlagewerk von bleibendem Wert

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Eine Festschrift zum Jubiläum

„Il m’est un plaisir de féliciter la CGFP et ses syndicats membres à l’occasion du centenaire de la constitution du premier mouvement syndical des fonctionnaires“, schreibt in seinem Vorwort in der soeben erschienenen Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Gewerkschaftsbewegung im öffentlichen Dienst Staats- und Premierminister Jean-Claude Juncker. Und der oberste Dienstherr der öffentlichen Bediensteten weiter: „Le gouvernement partagera toutefois aussi à l’avenir avec le mouvement syndical la vision d’une fonction publique forte pour un service public performant.“

Eine eindrucksvolle Festschrift

Bekanntlich hat die Confédération Générale de la Fonction Publique CGFP im vergangenen Jahr mit einer Vielfalt von Feierlichkeiten den 100. Jahrestag der Gewerkschaftsbewegung im öffentlichen Dienst auf bemerkenswerte Weise begangen. Zu den Höhepunkten im Jubiläumskalender zählten allen voran das Eröffnungskonzert des „Orchestre Philharmonique de Luxembourg“, ein prestigeträchtiges OPL-Konzert in der Philharmonie auf dem Kirchberg, eine bedeutende Kunstausstellung in der Abtei Neumünster sowie das viel beachtete Galakonzert der Militärmusik im hauptstädtischen Musikkonservatorium. Abgerundet wurden die Feierlichkeiten im vergangenen Dezember mit einer akademischen Festsitzung im Grand Théâtre der Stadt Luxemburg, dies im Beisein von Großherzog Henri und zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.

Nun, knapp sechs Monate später, wartet die CGFP mit einer eindrucksvollen Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum auf. In mühevoller Kleinarbeit hat Buchkoordinatorin Diane Dimmer die Beiträge zu „100 Jahre Gewerkschaftsbewegung im öffentlichen Dienst“ aufwendig recherchiert und zu einem wahren Nachschlagewerk zusammengefügt. So entstand in enger Zusammenarbeit mit den Editions Guy Binsfeld eine authentische Schrift mit zahlreichen Abhandlungen von Zeitzeugen – alles in allem ein über 250 Seiten starkes, reich illustriertes gebundenes Jubiläumsbuch („hardcover“) mit zahlreichen Abbildungen und Bildseiten.

Einen ganz besonderen Stelltenwert nimmt dabei der rund 50-seitige Beitrag (Text und Fotos) des langjährigen CGFP-Generalsekretärs, Jos. Daleiden, ein, der unter dem Titel „Le renouveau du mouvement syndical“ die Gewerkschaftsarbeit seit der Gründung der CGFP im Jahre 1967 in Wort und Bild dokumentiert. So erfährt der zunächst wohl eher etwas erstaunte Leser, dass die heutige CGFP eigentlich auf Anstoß des damaligen Beamtenministers, Pierre Grégoire – im Übrigen der erste Minister des öffentlichen Dienstes – gegründet wurde. Hierzu heißt es im Wortlaut:

„Si étrange que cela puisse paraître, c’était lui qui prit l’initiative de convoquer pour le 22 juin 1966 une table ronde des représentants de tous les groupements d’agents publics connus, pour leur faire clairement entendre la nécessité pour le gouvernement de pouvoir traiter avec un partenaire valable, uni et compétent, tous les problèmes de la fonction publique. (…) Les paroles du Ministre n’avaient pas manqué d’impressionner et son initiative conduisait effectivement par la suite à des pourparlers, puis à des négociations entre les différents courants, dans le but de dégager un dénominateur commun pour refaire l’union et reconstituer au plus vite l’organisation syndicale de faîte des agents de l’Etat.“

Auf welche Weise es schließlich zur Gründung der heutigen CGFP kam, wie das Beamtendienstrecht gleich mehrfach überarbeitet wurde, was es mit dem Streikrecht für Staatsbedienstete auf sich hat, und welche Streitfälle in den 70er, 80er und 90er Jahren zu bewältigen waren, das sind nur einige Schwerpunktthemen aus dem gut fundierten geschichtlichen Rückblick von Jos. Daleiden. Auch erfährt der Leser, wie es im Jahre 1964 zur Gründung der Berufskammer der öffentlichen Bediensteten kam, wie seit jeher die Haltung der CGFP zur Gründung einer Einheitsgewerkschaft war und auch heute noch ist, in welchen nationalen Gremien die CGFP als alleinige national repräsentative Gewerkschaftsorganisation für den öffentlichen Dienst die Interessen ihrer Mitglieder wahrnimmt, und welche Beziehungen die CGFP auf europäischer und internationaler Ebene zu unterhalten pflegt.

Abgerundet wird dieses Kapitel mit einem Blick auf die zahlreichen Dienstleistungen, die den CGFP-Mitgliedern über die heute noch von Jos. Daleiden geleitete CGFP-Dienstleistungsstruktur zur Verfügung stehen. Unter dem Titel „Le mouvement syndical depuis 1967… en images“ schließlich findet der Leser auf über 30 Seiten anschauliches, zum Teil noch unveröffentlichtes Fotomaterial aus 40 Jahren Gewerkschaftsarbeit, darunter die Unterzeichnung von Besoldungsabkommen, Kooperationsabkommen mit Partnern wie BHW und AME, Empfänge am großherzoglichen Hof, Schecküberreichungen zugunsten der CGFP-eigenen Stiftung, der „Fondation CGFP de Secours“, Pressekonferenzen, Zusammenkünfte mit Regierungsvertretern und politischen Parteien sowie Protestmanifestationen zur Wahrung der Beamtenrechte.

„Sauvegarder les intérêts communs“

Eingeleitet wird das historische Kapitel mit einem bereits zum 75. Jubiläum vom leider allzu früh verstorbenen verdienstvollen Kollegen Vic. Diederich verfassten Beitrag. Unter dem Titel „Les débuts du mouvement syndical dans la fonction publique“ skizziert er die Anfänge der Gewerkschaftsbewegung im öffentlichen Dienst, angefangen bei ersten konkreten Initiativen im September 1909 bis hin zur eigentlichen Gründung des Allgemeinen Staatsbeamtenverbandes (AGF), der Vorläuferorganisation der heutigen CGFP, im Dezember desselben Jahres. Im Wortlaut heißt es hierzu:

„Le 14 octobre 1909, un comité d’organisation fait savoir que les fonctionnaires de toutes les catégories de douze administrations ont décidé unanimement de prendre sans tarder l’initiative en vue de la création d’une association générale de tous les fonctionnaires dans le but de sauvegarder leurs intérêts communs.“

Danach nahmen die Dinge ihren Lauf: Am 20. Oktober 1909 trafen auf Initiative eines eigens dazu ins Leben gerufenen Organisationsvorstandes Beamte aus allen Verwaltungen und Dienststellen zu einer ersten, groß angelegten Versammlung zusammen. Über 250 staatlich Bedienstete waren dem Aufruf gefolgt. Die erste, im Jubiläumsbuch als Facsimile veröffentlichte Satzung der AGF geht auf den 12. Dezember 1909 zurück. Der erste Exekutivvorstand nahm seine Arbeit derweil am darauffolgenden 26. Dezember offiziell auf.

Ein weiteres, ebenfalls von Vic. Diederich verfasstes Kapitel befasst sich mit dem Wiederaufbau der AGF nach Ende des Zweiten Weltkrieges, dies unter dem Titel „La renaissance de l’AGF à partir de 1944“. Mit der Besatzung durch Nazi-Deutschland waren gleichzeitig sämtliche gewerkschaftlichen Aktivitäten in Luxemburg untersagt worden. Insbesondere die AGF hatte schwer unter diesem durch den „Stillhaltekommissar“ verhängten Verbot zu leiden. Nach der Befreiung nahm die AGF in den Jahren 1944/45 ihre Aktivitäten erneut auf. Vor allem die in den Jahren 1959 bis 1963 durchgeführte grundlegende Gehälterrevision im öffentlichen Dienst stellte die Gewerkschaftsbewegung auf eine harte Probe.

Aber auch während der Kriegswirren standen die öffentlichen Bediensteten in überragender Mehrheit treu zu ihrem Land: „Les agents publics, dans leur très grande majorité, firent honneur au pays et à leur serment de fidélité“, lesen wir. Viele von ihnen mussten ihren Einsatz sogar mit dem Leben bezahlen. „Nombre d’entre eux payèrent de leur vie leur insoumission et leur soif de liberté et de paix, que ce fut comme résistants, prisonniers, déportés, concentrationnaires, combattants des armées alliées, maquisards, enrôlés de force ou déserteurs.“

Innerberufliche Solidarität und politische Unabhängigkeit

Vervollständigt wird die Festschrift durch zwei Interviews mit dem amtierenden und dem vormaligen CGFP-Generalsekretär, Romain Wolff und Jos. Daleiden. Während Jos. Daleiden „das Bedürfnis und das Bekenntnis zur innerberuflichen Solidarität“ in all den Jahren am meisten berührt hat, spricht sich sein Nachfolger im Amt, Romain Wolff, einmal mehr für „politisch unabhängige Gewerkschaften wie die CGFP“ aus. Die CGFP werde auch in Zukunft ihren Prinzipien treu bleiben, versichert Wolff, und sich weiterhin als eigenständige, national repräsentative, ideologisch neutrale und parteipolitisch unabhängige Vertretung gegen jedweden Sozialabbau wehren und für verbesserte soziale Rahmenbedingungen für das im öffentlichen Dienst beschäftigte Personal einsetzen.

Ein weiteres Kapitel ist den überaus zahlreichen Fachverbänden der CGFP vorbehalten, die sich in Wort und Bild dem Leser vorstellen. Auch erfährt der Leser, in welche nationale und internationale Gremien die CGFP Vertreter entsendet. Zahlreiche Fotoseiten und Berichte lassen indes die Feierlichkeiten aus dem Jubiläumsjahr auf anschauliche Weise Revue passieren.

Weil Zukunft Herkunft braucht

Warum feiert man runde Jubiläen? – Mit dieser Frage beschäftigt sich abschließend der Erste Vizepräsident der CGFP, Claude Heiser. Der Autor analysiert, „welche Botschaft wir Menschen vermitteln wollen, indem wir Geburtstage, Gedenktage, Feiertage quasi als gestaltende Orientierungspunkte innerhalb eines Jahres institutionalisieren, ihnen fast schon öffentlichen Charakter verleihen“, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass „Zukunft Herkunft braucht.“ In Anlehnung daran habe auch das hundertjährige Bestehen der CGFP im Jahr 2009 mit seinen Festlichkeiten auf die notwendige Verbindung der Welt von gestern mit der Welt von morgen verwiesen. Die Zukunft der CGFP jedenfalls gründe auf einer bedeutenden Herkunft. Doch auch diese Herkunft brauche Zukunft – „Menschen, die dieses Erbe antreten, loyal verwalten und den Mut und die Fähigkeiten besitzen, das ihnen anvertraute Werk weiterzuentwickeln.“

s.h.
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1909-2009
Cent ans de mouvement syndical dans la fonction publique
260 Seiten, gebunden, zahlreiche Fotos, 204 x 262 mm,
Kann bestellt werden zum Preis von 40 Euro bei den
Editions Guy Binsfeld,
14, place du Parc,
B.P. 2773, L-1027 Luxembourg-Bonnevoie
Tel.: 49 68 68 – 1 / Fax: 40 76 09

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