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Was Sie nicht in der Politpresse lesen: Die ominöse Rentenmauer ist um 22 Jahre nach hinten gerückt
2012 hatte man errechnet, dass das Luxemburger Pensionssystem des Privatsektors im Jahre 2031 in die ominöse Rentenmauer knallen würde, vorausgesetzt, die Rücklagen könnten mit einer Rendite von 5% angelegt werden.
Genauer gesagt: In dem angegebenen Jahr sollten die angehäuften Rücklagen aufgebraucht sein, so dass die Renten ab dann von den laufenden Beiträgen zu zahlen seien, wozu diese aber nicht ausreichen sollten, so dass sich das System verschulden müsste, es sei denn, man senke die Pensionen oder erhöhe die Beiträge.
Angesichts dieses angeblich anstehenden Horrorszenarios einer Rentenmauer-Kollision tadelten in den letzten Jahren eine Menge angeblicher Experten und vorgeblich schlauer Leute das gemeine Volk dafür, weil es sich sofortigen Sozialgrausamkeiten und massiven Verschlechterungen widersetzt. Und auch weiterhin vernehmen wir ständige Belehrungen, das Thema müsse auf der Tagesordnung bleiben, aus Verantwortung gegenüber der Zukunft unserer Jugend. Schließlich, so heißt es, verprassten wir das harte Brot der Enkelkinder.
Weil die laufenden Sozialbeiträge die auszuzahlenden Renten übersteigen, kann der Luxemburger öffentlich-rechtliche Kompensierungs-Fonds jedes Jahr weitere Finanzreserven in Milliardenhöhe auf die „hohe Kante“ legen. Und dies, weil die Versichertenzahl ständig weiter wächst, trotz allem Gezeter über den demographischen Wandel in Europa, die höheren Lebenserwartungen, die Überalterung unserer Gesellschaft, ein langfristig schwächeres Wachstum der Wirtschaft und das angebliche Rentendesaster, das sich aus allen diesen Faktoren ergäbe.
Lagen die angehäuften Rückstellungen Ende 2013 bei 13,75 Milliarden Euro, so erreichten sie ein Jahr später 15,5 Milliarden. Die entsprechenden Reserven entsprachen 1980 dem Doppelten der jährlich ausgezahlten Renten, im Jahre 1990 dem 2,5-Fachen, 2000 dem 2,8-Fachen, 2010 dem 3,6-Fachen und 2013 dem 4-Fachen. Dies sind harte Fakten, die man nicht leugnen kann, und die man deshalb verschweigt.
Ja, ja, schön und gut, sagt man uns, aber das alles werde sich schnell ändern. Weil die Menschen älter werden und länger eine Rente beziehen, und weil die Einwanderung junger Arbeitskräfte so nicht weiterlaufe und die Immigration bald auch die Zahl der Rentenbezieher aufblähe.
Die 2012er Prophezeiung sah daher vor, dass die Rücklagen nur einige Jahre stabil bleiben würden, leicht oberhalb von 25% des BIP, um dann ab 2020 kontinuierlich abzugleiten und 2031 gänzlich aufgebraucht zu sein. Doch erstens kam es anders als man zweitens dachte: Bis 2014 sind die Reserven auf 28,5% des BIP angestiegen, was – nebenbei gesagt – auch bedeutet, dass ihr Volumen nun höher ist als jener der Verschuldung des Gesamtstaates.
Inzwischen wurde nun eine Neuauflage der Berechnungen unserer Rentenzukunft veröffentlicht, die den jüngsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen Rechnung trägt. Das Sensationelle daran aber wird nicht groß ins Rampenlicht der staatlich subven-tionierten Medien gestellt. Und dennoch handelt es sich dabei um einen wahrhaft „dicken Hund“! Ist doch die ominöse Rentenmauer um ganze 22 Jahre nach hinten gerückt, vom Jahr 2031 ins Jahr 2053. Wie alt werden Sie, werter Leser, dann sein, zum Zeitpunkt der angekündigten gigantischen Pensionskollision?
Wenn man, wie in der Vergangenheit, für die Rücklagen eine Finanzrendite von jährlich 5% in Erwartung stellt, so werden, gemäß der nun vorgelegten Berechnungen, die Reserven noch eine ganze Weile ansteigen, um im Zeitraum von 2021 bis 2029 über 40% des BIP zu verbleiben und dann abzusinken, aber viel langsamer als bisher erwartet. Das Niveau von 25% des BIP wird gegen 2040 wieder unterschritten, und aufgebraucht werden die Reserven dann 2053 sein. Stellte man aber eine Rendite von nur 3% in Rechnung, so würde uns die Rentenmauer bereits 2045 begegnen.
Wer sich nun fragt, ob als Rendite nicht 3% realistischer ist als 5%, dem sei verraten, dass im abgelaufenen Jahr 2014 der tatsächliche Finanzertrag des Anlagefonds bei beachtlichen 11,87% lag, gegenüber 6,09% im Jahre 2013 und 8,92% im Jahre 2012. Kommt somit die Rentenmauer erst im Jahre 2222? Wie die Finanzmärkte unvorhersehbar schwanken, so kann auch die Demographie viel Unerwartetes bringen, genau wie sich ständig alle anderen Rahmenbedingungen verändern. Die Glaubwürdigkeit jeder Projektion in die Zukunft aber steht und fällt mit den ihr zu Grunde liegenden Hypothesen. Es genügt, sehr leicht an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen, und schon verfärben sich graue Perspektiven rosarot, oder aber der strahlend blaue Himmel verdüstert sich augenblicklich.
Heißt es nicht, man solle keiner Fortschreibung der Entwicklung trauen, die man nicht selbst manipuliert hat? Die Statec-Experten sehen sich außerstande, uns heute verlässlich zu sagen, wie die Wirtschaft dieses Jahr wächst, ja schlimmer noch: wie sie letztes Jahr wuchs. Wie aber die Finanzlage unseres Rentensystems in 50 Jahren aussehen wird, das behauptet man uns verraten zu können, bis mehrere Stellen hinters Komma. Sinistres farceurs! Und aus dem ganzen Zahlenwust leiten die „5 vor 12“-Ideologen, jene großen Magier hinter Medien und Politik, dann ab, wie eng das Volk den Gürtel zu schnallen hat.
Paul Zimmer