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Frauen ziehen im Job leider allzu oft den Kürzeren

Gleichberechtigung

Sind Frauen die besseren Chefs? Die Frage stellt sich kaum, denn es gibt nur wenige. Auch im öffentlichen Dienst ist das weibliche Geschlecht zahlenmäßig nach wie vor unterlegen: An der Führungsspitze von Verwaltungen findet man nur eine geringe Anzahl von Frauen. Dazu gesellt sich ein weiteres Problem: die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Seit nunmehr 20 Jahren setzt sich das „comité permanent à l’égalité des chances“ der CGFP für die Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst ein. An Arbeit mangelt es nicht!

Sind Frauen die besseren Chefs? Die Frage stellt sich kaum, denn es gibt nur wenige. Auch im öffentlichen Dienst ist das weibliche Geschlecht zahlenmäßig nach wie vor unterlegen: An der Führungsspitze von Verwaltungen findet man nur eine geringe Anzahl von Frauen. Dazu gesellt sich ein weiteres Problem: die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Seit nunmehr 20 Jahren setzt sich das „comité permanent à l’égalité des chances“ der CGFP für die Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst ein. An Arbeit mangelt es nicht!

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist nach wie vor ein gesellschaftliches Topthema. Dass Mädchen, ebenso wie Jungen, einen Schulabschluss absolvieren und studieren dürfen, gilt heute als selbstverständlich. Um jedoch dort anzukommen, war es ein langer, steiniger Weg. Auch das Wahlrecht war Frauen in Luxemburg lange Zeit nicht gestattet. Trotz des Paradigmenwechsels, der inzwischen vollzogen wurde, werden Frauen in manchen Bereichen noch immer benachteiligt.

Das „comité permanent à l’égalité des chances“, das am 19. Januar 1999 innerhalb der CGFP gegründet wurde, tritt seit fast 20 Jahren für die Gleichstellung beider Geschlechter im öffentlichen Dienst ein. Zu seinen vielfältigen Aufgabenfeldern gehört u.a. der Kampf gegen Mobbing, Belästigungen und Diskriminierungen aller Art. Das Gremium, dem übrigens auch Männer angehören, setzt sich dafür ein, dass alle öffentlich Bediensteten einen gleichberechtigten Zugang zur beruflichen Weiterbildung erhalten. Im Übrigen versucht es zu verhindern, dass Frauen bei der Einstellung von Staatsbediensteten nicht gleich zu Beginn verdrängt werden, bloß weil sie irgendwann schwanger werden könnten.

Des Weiteren tritt das Komitee dafür ein, dass die Gesetze und die großherzoglichen Verordnungen in sämtlichen Staatsverwaltungen sowie in den öffentlichen Einrichtungen harmonisch angewandt werden. Einen hohen Stellenwert genießt auch die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben. Somit soll sichergestellt werden, dass der Anteil weiblicher Führungskräfte kontinuierlich wächst.

Totgeschwiegene Realität

Gerade was den letzten Punkt betrifft, hat Luxemburg noch einen weiten Weg vor sich. In Deutschland hat sich die Koalition vorgenommen, die Hälfte der Leitungspositionen im öffentlichen Dienst des Bundes bis 2025 mit Frauen zu besetzen. Von einer derartigen Zielvorgabe ist Luxemburg noch meilenweit entfernt. Auch die Einführung einer verbindlichen Quotenregelung lässt weiter auf sich warten. Eine Frauenquote könne zwar nicht als Allheilmittel betrachtet werden, doch ohne jegliche Zielangabe seien kaum Fortschritte zu erwarten, gibt Carmen Jaffke, Präsidentin des ständigen CGFP-Ausschusses für Gleichstellung, im Gespräch mit „fonction publique“ zu bedenken.

Mit Ausnahme der üblichen Absichtserklärungen seitens der Politik sei bislang nichts erfolgt. Frauen, die im Staatsdienst tätig sind, könnten sich zwar glücklich schätzen, dass sie – anders als in der Privatwirtschaft – für dieselbe Arbeit den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen beziehen. Doch die Parität sei längst nicht überall im Staatsdienst gewährleistet. 

Beim Zugang zu den Chefposten der staatlichen Verwaltungen werden Frauen weiterhin stark benachteiligt, bestätigt Jaffke: „Das sogenannte „glass ceiling“ (gläserne Decke) bremst auch heute noch viele Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn aus. In der Regel sind deutlich mehr Frauen im unteren als im mittleren und oberen Management tätig“.

Schlimmer noch: Nicht selten kommt es vor, dass die wenigen Frauen, die in Führungspositionen vorzufinden sind, aufgefordert werden, ihren Posten zur Verfügung zu stellen, nachdem sie einen Antrag auf Teilzeitbeschäftigung gestellt haben, bedauert Jaffke: „Diese bittere Realität wird leider oft totgeschwiegen!“

Dabei bieten der digitale Wandel im öffentlichen Dienst und die Einführung der mobilen und flexiblen Arbeitsgestaltung allen Beschäftigten neue Perspektiven, die eine moderne und diskriminierungsfreie Verwaltungskultur fördern. Vielen Verwaltungen fehlt dennoch der Mut, Abschied von der Präsenzkultur zu nehmen und stattdessen auf die Ergebniskultur zu setzen.

„In vielen Köpfen herrscht noch die altmodische Denkweise vor, die besagt, dass Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, nicht kontrolliert werden können und von da her ihren Job nicht zufriedenstellend verrichten“, setzt Jaffke nach. Sogar manche Frauen, die leitende Positionen bekleiden, seien der Ansicht, dass jede(r) Mitarbeiter(in) eine Wahl zwischen Karriere und Familie treffen müsse. Diese Tabus zu brechen sei wahrlich keine leichte Aufgabe, unterstreicht die engagierte Gewerkschafterin.

Von der Politik wünscht sich Carmen Jaffke, dass innovative Tools eingerichtet werden, die Frauen anregen sollen, mehr Verantwortung zu übernehmen. In diesem Zusammenhang hat das „Female Board Pool“ bereits vor einigen Jahren hierzulande im Privatsektor eine Datenbank erstellt. Diese umfasst die Jobprofile von Frauen, die den Wunsch äußern, Mitglied eines Verwaltungsrates zu werden. Den betreffenden Personen werden u.a. Ausbildungen im Bereich des „Leadership“ angeboten, damit sie fit für die neuen beruflichen Herausforderungen werden und das nötige Vertrauen erhalten.

Totale Intransparenz

Ein derartiges Konzept würde durchaus auch im öffentlichen Dienst Sinn ergeben, so Jaffke: „Obwohl sie den Männern in nichts nachstehen, schrecken viele Frauen davor zurück, sich für einen verantwortungsvollen Posten zu bewerben, weil sie Angst vor dem Scheitern haben.“ Deshalb sei es wichtig, all jenen Frauen, die berufliche Verantwortung übernehmen wollen, das nötige Selbstvertrauen zu geben. Von der Politik fühlt sich das „comité permanent à l’égalité des chances“, im Stich gelassen. In all den Jahren fand lediglich eine Unterredung mit dem Ministerium für Chancengleichstellung statt.

In den Staatsverwaltungen ist jeweils ein Gleichstellungsbeauftragter ernannt worden, dessen Aufgaben klar festgelegt sind. In regelmäßigen Abständen sollten Berichte erstellt werden, doch in den meisten Fällen sei nichts dergleichen erfolgt, heißt es weiter. Das Ministerium lasse jegliche Koordination vermissen. Vor zwei Jahren habe man eine Strategie ausarbeiten wollen, doch inzwischen sei das Vorhaben in der Schublade gelandet.

Ein Großteil der Fälle, mit denen der ständige CGFP-Ausschuss für Gleichstellung konfrontiert wird, bezieht sich auf Menschen, die sich infolge einer Versetzung oder bei einer Anfrage zur Teilzeitbeschäftigung ungerecht behandelt fühlen. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass moralische und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz alltäglich sind. „Die Fälle, die im öffentlichen Dienst offiziell gemeldet werden, tauchen zwar in keiner Statistik auf, doch es gibt sie“, bestätigt Jaffke. Derzeit herrsche diesbezüglich eine totale Intransparenz.

Laut Schätzungen der „European Women’s Lobby“ sind etwa 75 % der Frauen von diesem Phänomen betroffen. Aus Angst, sich zum Gespött zu machen, würden die meisten Opfer ihre bittere Erfahrung verschweigen, weiß Jaffke zu berichten. Das Thema Sexismus werde allzu oft ins Lächerliche gezogen. Geht es um Sexismus, heißt es nicht selten: „Komm, hab’ dich doch nicht so“ oder „War das jetzt wirklich so schlimm?“

Um der Belästigung am Arbeitsplatz verstärkt den Kampf anzusagen, fordert das „comité à l’égalité des chances“ mehr Aufklärung, damit bei Tätern und Opfern das Bewusstsein geschärft wird, wann die rote Linie überschritten wurde. Seit Jahren werden beispielsweise die Mitarbeiter von Privatunternehmen mittels Broschüren, Flugzettel und Videos darüber informiert, wie sich sexuelle Belästigung auswirkt und was unternommen werden muss, wenn ein derartiger Fall auftritt. Im öffentlichen Dienst sind solche Aufklärungskampagnen bislang absolut nicht vorhanden.

Max Lemmer

 

 

20 Jahre unermüdlicher Einsatz

Das „comité permanent à l’égalite des chances“ der CGFP wurde am 19. Januar 1999 aus der Taufe gehoben. Schwerpunkt seines Wirkens ist die Förderung eines gleichberechtigten öffentlichen Dienstes, frei von Diskriminierungen jeglicher Art. Seine Mitglieder – sowohl Frauen als auch Männer – sind ohne Ausnahme auf gewerkschaftlicher Ebene stark engagiert. Die Präsidentin des ständigen CGFP-Ausschusses, Carmen Jaffke, vertritt die CGFP auch im Aufsichtsrat der „European Women’s Lobby“ sowie in den Fachausschüssen FEMM und SOC der „Confédération Européenne des Syndicats Indépendants“ (CESI). Mit Irène Thill gehört eine weitere CGFP-Vertreterin dem „comité du travail féminin“ (CTF) an. CGFP-Mitglieder, die auf Unregelmäßigkeiten hinweisen möchten oder Beistand erhalten wollen, können sich an den Ausschuss für Gleichstellung unter folgenden E-Mail-Adressen wenden:
oder ml

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