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BHW: Von der Bausparkasse zum Konzern

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Die Wohnungsnot deutscher Beamten lieferte 1928 den Anstoß zur Gründung. 76 Jahre danach ist BHW eine der größten Bausparkassen in Europa. „fonction publique“ besuchte die Konzernzentrale in der niedersächsischen Stadt Hameln

Hameln? Das ist doch die Stadt, die einst der legendäre Rattenfänger mit seinem Flötenspiel von einer Nagetierplage befreite und deren Kinder er entführte, als die knauserigen Bürger ihm den Lohn für sein Werk versagten. Mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern und Steinbauten im Stil der so genannten Weserrenaissance sieht Hameln heute noch fast so aus wie 1284, als sich die sagenhafte Geschichte ereignet haben soll. Kein Wunder, dass Jahr für Jahr Tausende von Touristen aus aller Welt auf der Spur des Rattenfängers wandeln wollen.
Hameln würde aber auch einen weiteren Beinamen verdienen: Hauptstadt des Bausparens. In einem riesigen Gebäudekomplex vor den Toren der niedersächsischen Stadt hat nämlich eine Unternehmensgruppe ihren Sitz, die zu den Großen ihrer Branche gehört: BHW, als Bausparkasse auch in Luxemburg allen öffentlichen Bediensteten – und nicht nur ihnen – wohlbekannt. Mit 3500 Beschäftigten allein in der Hamelner Hauptverwaltung ist BHW heute mit Abstand der größte Arbeitgeber der Region.

Beamte greifen zur Selbsthilfe
Als das damalige „Beamtenheimstättenwerk“ 1947 aus dem zerbombten und politisch isolierten Berlin in den britischen Sektor nach Hameln umzog, stand diese Selbsthilfeeinrichtung der Beamtenschaft vor einem Neuanfang. Dass gute Ideen auch erfolgreiche Ideen sind, hatte sich aber schon bei der Gründung der damaligen „Beamtenbausparkasse“ im März 1928 erwiesen. Erst ein Jahr zuvor hatte der deutsche Reichstag das „Beamtenheimstättengesetz“ verabschiedet, das es aktiven Staatsdienern erstmals erlaubte, einen Teil ihrer Gehälter für die Finanzierung der eigenen vier Wände abzutreten. Vorher war es ihnen nämlich prinzipiell untersagt, Schulden zu machen.
Damit war das Problem aber nur zum Teil gelöst, denn die finanziellen Mittel, über die besonders die Beamten des unteren und mittleren Dienstes damals verfügten, waren mehr als bescheiden. Also griff man zur Selbsthilfe, dem Bausparen, das eine Form gemeinsamen Zwecksparens darstellt, und in England bereits seit dem späten 18. Jahrhundert bekannt war. Ziel aller Bausparer ist das zinsgünstige Bauspardarlehen aus dem gemeinsamen Spartopf. Den füllen Bausparer mit ihren gemeinsamen Sparbeiträgen. Aber auch die Tilgungsbeiträge derer, die bereits ein Darlehen erhalten haben, fließen in den Topf.
Anfangs, als die gemeinsamen Mittel noch bescheiden waren, erfolgte die Darlehenszuteilung noch im Losverfahren. Als die Zahl der Sparer wuchs, griff man zu finanzmathematischen Formeln, um die Zuteilung berechenbar zu machen.

Beispielloser Aufschwung
Das deutsche Wirtschaftswunder brachte auch dem „Beamtenheimstättenwerk“ einen beispiellosen Aufschwung. Mit 1,15 Millionen Neuverträgen verwaltete BHW im Jahre 1970 bereits eine Bausparsumme von mehr als 29. Mrd. DM. Etwa 500 000 Häuser waren bis dahin mit BHW-Mitteln errichtet worden. Ein Jahr später war das imposante neue Bürogebäude in einem Vorort Hamelns bezugsfertig.
Und warum sollte das, was bei unseren deutschen Nachbarn so erfolgreich war, nicht auch in Luxemburg funktionieren? Kontakte zwischen CGFP und BHW wurden Mitte der siebziger Jahre geknüpft. Doch zunächst galt es, einige rechtliche und politische Hürden zu nehmen. So musste zunächst ein System staatlicher Bausparförderung geschaffen werden - die noch heute gültige steuerliche Absetzbarkeit der eingezahlten Bausparbeträge bis zu einem bestimmten Höchstbetrag. 1976 war es dann soweit: BHW eröffnete seine erste Auslandsniederlassung im kleinen Großherzogtum und schloss mit dem eigens zu diesem Zweck gegründeten Oeuvre CGFP d’Epargne-Logement einen Partnerschaftsvertrag. Auch hier wiederholte sich die „success story“, die BHW in den Jahrzehnten zuvor in Deutschland geschrieben hatte.

Gang an die Börse
In den 80er-Jahren ging die Expansion weiter. 1981 wurde die BHW Bank AG gegründet. Damit konnte BHW seinen Kunden erstmals auch Vor- und Zwischenfinanzierungen in eigenem Namen anbieten. 1982 kam es zu einer weiteren Neugründung: Die BHW Allgemeine Bausparkasse (damals noch unter dem Namen AHW) öffnete die BHW Produkte für den allgemeinen Markt. Zu diesem Zeitpunkt zählte die BHW Bausparkasse über zwei Millionen Kunden aus dem öffentlichen Dienst. 2003 wurde die Fusion beider Bausparkassen beschlossen. Nach wie vor stellt aber der öffentliche Dienst das wichtigste Standbein des Konzerns dar.
Die Gründung der BHW Holding GmbH im Jahre 1990 sollte eine straffere Steuerung der Unternehmensgruppe ermöglichen, zu der seit 1984 auch die BHW Immobilien GmbH und seit 1991 die BHW Lebensversicherung gehören. Von der Nur-Bausparkasse hatte sich BHW zu einem modernen Mehrfinanz-Dienstleister entwickelt. Der Gang an die Börse war in dieser Hinsicht ein logischer Schritt: er erfolgte 1997.

Kundenberatung im Mittelpunkt
So beeindruckend die Konzern-Zentrale in Hameln durch ihre Ausmaße und die Zahl der dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch sein mag: sie stellt bloß die Spitze eines Eisbergs dar, zu dem über 800 Service-Center in ganz Deutschland gehören. Bei über 4 000 hauptberuflichen Vertriebsmitarbeitern, die regelmäßig an Schulungsmaßnahmen teilnehmen, wird klar, was die besondere Qualität der BHW-Produkte ausmacht: die umfassende und qualifizierte Beratung des Kunden, auf dessen individuelle Bedürfnisse die BHW-Außendienstmitarbeiter (zum größten Teil selbständige Verkäufer) gezielt einzugehen wissen.
Neben dem Bausparen und der Baufinanzierung setzt BHW auf dem deutschen Markt seit neuestem auf ein zweites Standbein, die private Vorsorge. Im Fokus stehen dabei vor allem das Fondsgeschäft der Bank sowie die Vorsorgeprodukte der Lebensversicherung. Selbstbewusst verfolgt der BHW-Konzern das Ziel, bis zum Jahr 2005 zu den „Top 3“-Unternehmen für die private Vorsorge in Deutschland zu gehören.

Rekordjahr 2003
2003 war in jeder Hinsicht ein Rekord-Geschäftsjahr für BHW: Erstmals in der Firmengeschichte konnten die Vertriebe die magische Zahl von über einer Million Bausparneuverträgen abschließen. Auch die Niederlassungen in Belgien, Luxemburg und Italien konnten zweistellige Zuwächse verzeichnen. Und die tschechische Bausparkasse VSSKB, an der BHW zur Hälfte beteiligt ist, konnte ihr Neugeschäft sogar um über 60 Prozent steigern. „Mit Baufinanzierungen und Bausparverträgen, Renten- und Lebensversicherungen sowie Fondsanlagen stieg die Gesamtvertriebsleistung um 30,7 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro“, freut sich Reinhard Wagner, Vorstandsvorsitzender der BHW Holding und der BHW Bausparkasse.
Längst ist BHW nicht bloß mehr für den öffentlichen Dienst ein Begriff. Die Werbung mit der blauen Brille hat das Markenimage des kompetenten Baufinanzieres und Vorsorge-Anbieters in alle Teile der Bevölkerung getragen. Dennoch hat man in Hameln die eigenen Wurzeln nicht vergessen: die kleine „Beamtenbausparkasse“, die vor 76 Jahren geschaffen wurde, um den öffentlichen Bediensteten und ihren Familien zu helfen, ihren Traum vom privaten Wohnungseigentum Wirklichkeit werden zu lassen.

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