CGFP  >  Journal  >  Dernière édition  >  Visionner dernière édition

Europäische Union der Unabhängigen Gewerkschaften (CESI): Berufsausbildung attraktiv gestalten

CESI v2

CESI-Fachtagung mit Luxemburger Beteiligung in Berlin.

Unter dem Titel „Bildung und Arbeit - Image und zunehmende Bedeutung der Berufsbildung" trafen am vergangenen 20. Oktober hochkarätige Redner und ein interessiertes Fachpublikum zu der jüngsten CESI-Fachtagung in Berlin zusammen.

Dass ausgerechnet Deutschlands Hauptstadt als Austragungsort gewählt wurde, war kein Zufall, gilt Deutschland aufgrund seines dualen Bildungssystems doch seit langem schon als Vorreiter in der fachlichen Berufsausbildung.

Wie dabei mehrfach betont wurde, schlage die Berufsausbildung in der Tat eine unabdingbare Brücke zwischen einerseits der Bildung und andererseits der Berufswelt, dies auch mit Blick auf die steigende Jugendarbeitslosigkeit. Die Bildungswelt und die Arbeitswelt seien dabei die beiden Schlüsselkonzepte, die sich ergänzen müssten, um eine wirksame Bekämpfung der Erwerbslosigkeit zu erzielen. Gleichzeitig gelte es aber auch, am Image der Berufsausbildung zu arbeiten, damit die Verbindung zwischen Berufsausbildung und Arbeitswelt effizienter werde. Letztlich habe auch die derzeitige Generation ein Interesse daran, junge Menschen, sprich die Arbeitskräfte und Erwachsenen von morgen, wirkungsvoll auszubilden.

Bei fünf Millionen Jugendarbeitslosen in Europa dürfe man nicht wegschauen, so die unmissverständliche Botschaft vor der CESI-Fachtagung in Berlin. Für fünf Millionen junge Europäer beginne der Berufseinstieg mit Arbeitslosigkeit. Daneben gebe es eine ganze Menge prekärer Beschäftigungsverhältnisse, auch im öffentlichen Dienst, oder nicht bezahlte Praktika, wodurch sich diese Zahl noch erhöhe. Die Dunkelziffer liege demnach weit höher. Im Ergebnis blieben im Schnitt 17 Prozent aller Jugendlichen unter 25 Jahren in Europa erwerbslos, und das trotz der günstigen wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung, die Europa derzeit kenne. Das sei ein Schandfleck auf der Weste der Politiker und Unternehmensführer, hieß es. Demnach gelte es insbesondere auch, das duale System, dessen Besonderheit darin bestehe, die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes besser zu berücksichtigen als die rein schulische Ausbildung, kontinuierlich auszuweiten, ganz nach dem englischen Sprichwort: „Less bad is not good enough."

Auch wenn die Aus- und Weiterbildung in den Zuständigkeitsbereich der nationalen Staaten falle, müsse Europa seine Verantwortung übernehmen, um seine Mitgliedstaaten in ihren diesbezüglichen Bemühungen zu unterstützen. Gerade in Zeiten größerer Mobilität seien Standards, auch auf europäischer Ebene, gefragt. Letztlich gehe die Arbeitslosigkeit im europäischen Binnenmarkt uns alle etwas an. So dürfe sich die jüngste CESI-Fachtagung in Berlin auch nicht als reines Redeforum verstehen, sondern vor allen Dingen als Ausgangspunkt für gewerkschaftliches Handeln in dieser Frage. Bildung dürfe nicht auf reine Arbeitsmarktverwertung reduziert werden, denn sie sei wesentlich für die gesamte Gesellschaft. Bildung mache Europa zukunftsfähig und sei die Grundlage für Toleranz und Demokratie. Zu den großen Herausforderungen der nahen Zukunft zähle sicherlich auch, die duale Ausbildung in die digitale Welt umzusetzen.

Wenn in Europa im Schnitt 17 Prozent aller Jugendlichen erwerbslos seien, schwanke diese Zahl erheblichvon einem EU-Land zum anderen. Als ein konkretes Beispiel, wie die Europäische Union Maßstäbe hin zu einer wirksamen Berufsausbildung setzen könne, zeige nicht zuletzt die im Jahre 2013 ins Leben gerufene Europäische Ausbildungsallianz, kurz EAfA.

Ein Blick auf die entsprechende Internetseite bestätigt: Die Europäische Ausbildungsallianz (EAfA) ist eine einzigartige Plattform, die Ministerien mit weiteren Interessenvertretern wie Unternehmen, Sozialpartner, Kammern, Berufsbildungsanbieter, Jugendorganisationen sowie Denkfabriken zusammenführt.

Gemeinsames Ziel ist es, die Qualität, das Angebot und die Attraktivität und neulich auch die Mobilität der Lehrlingsausbildung in Europa zu stärken. Zudem hat die erste Onlineumfrage von Interessensvertretern die wachsende Bedeutung von Lehrlingsmobilität gezeigt.

Die Allianz wurde im Juli 2013 durch eine gemeinsame Erklärung der Europäischen Sozialpartner, der Europäischen Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft ins Leben gerufen. Diese wurde durch die Ratserklärung der EU-Mitgliedstaaten untermauert. Obwohl die Allianz von der Kommission gesteuert wird, liegt der Erfolg der EAfA in der Umsetzung von individuellen, nationalen Verpflichtungen und des Engagements von Partnern, insbesondere durch die Zusagen seitens der Interessengruppen, heißt es weiter.

Die Europäische Ausbildungsallianz gelangt dann auch zu dem Schluss, dass „die Lehrlingsausbildung - als eine erfolgreiche Form des arbeitsweltorientierten Lernens - den Übergang von allgemeiner und beruflicher Bildung in die Beschäftigung vereinfacht": Studien belegten, dass Länder mit soliden Systemen der beruflichen Bildung und der Lehrlingsausbildung auch eine niedrigere Jugendarbeitslosigkeit aufwiesen.

Die Lehrlingsausbildung kombiniere auf formale Weise alternierendes, arbeitsweltorientiertes mit schulbasiertem Lernen und führe bei einem erfolgreichen Abschluss zu einer nationalen anerkannten Qualifikation.

Dabei seien die Vorteile vielseitig: Unternehmen beispielsweise, die Lehrlinge einstellen, könnten damit rechnen, dass ihre Investition sich lohne und einen Nettogewinn erziele, entweder während der Lehrlingsausbildung oder kurz danach durch die Einstellung eines vollqualifizierten Mitarbeiters. Gleichzeitig eigneten sich Lernende in der Berufsbildung und Auszubildende wertvolle arbeitsrelevante Fertigkeiten in einer berufsbezogenen Umgebung an, wodurch die künftige Beschäftigungsfähigkeit verbessert werde. (siehe hierzu die entsprechende Internet-Seite unter: http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1147&langId=de)

Entsprechende Erfahrungsberichte zur Berufslehre und zu Praktika im öffentlichen Dienst sowie Beispiele für gut funktionierende Ausbildungsmodelle und Maßnahmen für vorberufliche Orientierung während der Schulzeit vervollständigten das Themenspektrum in Berlin. Deutlich wurde dabei immer wieder, dass gerade der öffentliche Dienst eine Vorreiterrolle in Sachen Bildung wahrnehmen und die ganze Diversität widerspiegeln müsse: „Die Gesellschaft ist sehr unterschiedlich, entsprechend vielfältig muss der öffentliche Dienst aufgestellt sein." Ziel des dualen Systems müsse es bleiben, Praxis und Theorie derart zu kombinieren, dass es letztlich auch zu einem Vertragsabschluss komme.

Der Kontext jedenfalls war auch in den von CESI-Generalsekretär Klaus Heeger gezogenen Schlussfolgerungen schnell abgesteckt: Zum einen hätten wir fünf Millionen junge Arbeitslose in Europa. Das wiederum erfordere ein schnelles Handeln. Auch bräuchten wir einen ganzheitlichen Ansatz, wobei jeder, ob Schulen, öffentlicher Dienst, Jugendverbände oder EU-Kommission, seine Verantwortung übernehmen müsse. Letztlich hätten alle ein Interesse daran, ihre Rolle in dieser Frage wahrzunehmen. Dies setze zum anderen aber auch einen Paradigmenwechsel voraus. So müssten wir uns der Bedeutung der Berufsausbildung wieder bewusst werden. Eines der Probleme sei dabei allerdings der Kompetenzrahmen. Auch wenn die EU zunächst keine Kompetenz in dieser Frage habe, kämen EU und Mitgliedstaaten nicht umhin zusammenzuarbeiten, wenn es darum ginge, die Jugendarbeitslosigkeit innerhalb Europas zu bekämpfen. Die relevante Frage bleibe schlicht und ergreifend: Wie sorgen wir dafür, dass junge Leute einen Beruf finden, wie schlagen wir die Brücke zwischen Bildung und Beruf?
Zudem müsse der Lehrerberuf wieder aufgewertet werden. Und auch die Arbeitgeber, ob Privatunternehmen oder öffentlicher Dienst, seien gleichermaßen gefordert, junge Leute einzustellen, wenn sie nicht an Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit verlieren wollten.

s.h.

Les cookies assurent le bon fonctionnement du site. En le consultant, vous acceptez l\'utilisation des cookies. OK En savoir plus