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Luftfahrtüberwachung in schwindelerregender Höhe: Klassenerster in einem harten Wettbewerb

Eurocontrol

Seit Oktober 2017 steht mit John Santurbano erstmals ein Luxemburger an der Spitze des „Maastricht Upper Area Control Centre“.

Vor uns befindet sich ein langer Korridor. Kräftige Farben vermitteln einen durchaus freundlichen Eindruck. Hinter den halb geöffneten Türen an der einen Seite des Flurs stehen Betten und Nachttische, vergleichbar mit recht funktionell gehaltenen, aber dennoch eher spärlich eingerichteten Schlafzimmern. Eine Tafel am Ende des Korridors mit der Aufschrift „Quiet Please“ erinnert daran, dass in diesem Teil des Gebäudes absolute Ruhe herrschen soll.

Auch andere Einrichtungen in dem rund 12 km vom Maastrichter Stadtzentrum entfernt gelegenen Gebäude –  eine Basketballhalle, Billardtische, Lesegelegenheiten sowie ein Yoga- und ein Musikraum – erwecken den Eindruck, dass wir uns in einem Erholungsbereich befinden. Es handelt sich hierbei aber um eine Einrichtung, in der nicht nur rund um die Uhr gearbeitet wird, sondern wo den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch noch vollste Konzentration abverlangt wird. „Wir möchten unseren Beschäftigten ein hohes Maß an Möglichkeiten zur Verbesserung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz bieten. Bei einem derart anstrengenden und verantwortungsvollen Job ist das von absoluter Wichtigkeit“, heißt es zur Begründung.

Doch die Ruhe, die uns in diesem Gebäudeteil vermittelt wird, trügt. Ganz anders geht es nämlich zur selben Zeit in dem nahegelegenen „Operation room“ zu. Obwohl es auch hier verhältnismäßig ruhig ist, sitzen in dem großflächigen Raum bis zu 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihren Plätzen, teilweise mit Headsets ausgestattet, und werfen ein kritisches, vor allen Dingen aber ein wachsames Auge auf die großen Bildschirme vor ihnen.

Wir befinden uns an diesem Mittwochnachmittag im Hauptsitz des „Maastricht Upper Area Control Centre“, kurz MUAC genannt, am Stadtrand von Maastricht. Eurocontrol, nach eigener Darstellung eine „internationale Organisation zur zentralen Koordination der Luftverkehrskontrolle in Europa“, verfolgt als oberstes Ziel „die Entwicklung eines nahtlosen, europäischen Flugverkehrsmanagementsystems, das unter Beibehaltung eines hohen Sicherheitsniveaus, Reduzierung der Kosten und Schonung der Umwelt dem ständig wachsenden Flugverkehr Rechnung tragen soll“. Dieses Kontrollorgan unterhält in unmittelbarer Nähe zum Maastricht-Aachen-Airport das „Maastricht Upper Area Control Centre“ mit der Zielvorgabe, den oberen Luftraum der Benelux-Länder sowie Nordwestdeutschlands zu überwachen.

Ein harter, aber begehbarer Weg

Unser Besuch in Maastricht hat aber einen ganz bestimmten Grund: Mit John Santurbano steht seit der Gründung des MUAC im Jahre 1972 nicht nur ein erfahrener Luftfahrtexperte, sondern erstmals ein Luxemburger als Direktor an der Spitze des Maastrichter Kontrollzentrums.

Der Name John Santurbano ist in der Luftfahrt längst zum Begriff geworden. Zu den Meilensteinen seiner 27-jährigen beruflichen Karriere bei der Flughafenverwaltung in Luxemburg zählten u.a. die Übernahme der Leitung des Wetterdienstes auf dem Findel. Später folgten die Aufsicht über die verwaltungseigene Zertifizierungsabteilung und die Leitung der Personalabteilung. Als vorläufiger Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn gilt nach wie vor seine Ernennung zum Verwaltungschef der „Administration de la Navigation Aérienne“, kurz ANA, die er viele Jahre lang mit viel Sachverstand, Herz und Wissen leitete und – um im Flugjargon zu bleiben – zeitweilig auch durch turbulente Zeiten führte – dies alles, ohne dass der menschliche Faktor dabei jemals zu kurz gekommen wäre. Parallel zu seinen beruflichen Pflichten stand John Santurbano der Personalvertretung der ANA über einen Zeitraum von rund zehn Jahren vor. In dieser Zeit machte er sich, zusammen mit seinen engsten Vertrauten und mit Unterstützung der CGFP, entschieden für die Belange der ANA-Mitarbeiter und den zeitweilig in Frage gestellten Fortbestand der ANA als staatliche Verwaltung stark.

Es war demnach ein harter, aber begehbarer Weg bis zum Direktionsposten des „Maastricht Upper Area Control Centre“. Die Prozedur sieht vor, dass einer der vier genannten Staaten – Belgien, die Niederlande, Luxemburg oder Deutschland – im Fünf-Jahres-Rhythmus einen Kandidaten für diesen verantwortungsvollen Posten vorschlägt. Es war im Übrigen das erste Mal, dass auch Luxemburg mit John Santurbano einen Bewerber ins Rennen schickte. Das Auswahlverfahren hat sich über nicht weniger als neun Monate hingezogen, von der Bewerbung bis hin zur tatsächlichen Ernennung mit Wirkung zum 1. Oktober 2017. Eine der Herausforderungen bestand schlicht darin, bei den teilnehmenden Mitgliedsstaaten vorzupreschen und sie davon zu überzeugen, dass der Bewerber über die für dieses Amt erforderlichen Fähigkeiten verfüge. Dabei wurden sowohl die menschlichen Fähigkeiten als auch das fachliche Können in Bezug auf das operative Geschäft in Betracht gezogen.

Dass die Bewerbung aus Luxemburg letztendlich positiv begutachtet wurde, führt John Santurbano insbesondere auf seine 27-jährige Erfahrung in der Luftfahrt zurück, in der er, wie vorhin erwähnt, in den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern aktiv war.

Dass in Maastricht in der Tat eine verantwortungsvolle Aufgabe auf den neuen Direktor wartete, davon zeugen die jüngsten bei unserem Besuch vorgelegten Zahlen: Demnach beschäftigt das MUAC derzeit über 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus nicht weniger als 29 verschiedenen Ländern. Rund die Hälfte davon hat die Ausbildung zum Fluglotsen erfolgreich bestanden, die andere Hälfte setzt sich weitgehend aus hausinternen Ingenieuren zusammen, die eigene Programme und Systeme, zugeschnitten auf die spezifischen Bedürfnisse der Flugüberwachung, entwickeln und somit Hand in Hand mit den Fluglotsen zusammenarbeiten.

Dass das Auswahlverfahren bei den Fluglotsen recht streng ist, auch das belegen die neusten Zahlen. Im Schnitt werden lediglich vier Prozent der Bewerber für diese verantwortungsvolle Aufgabe zurückbehalten. Voraussetzung ist zunächst einmal ein bestandenes Abitur, gefolgt von einer zweijährigen Zusatzausbildung an der ENAC in Toulouse. Wer beim MUAC arbeiten möchte, muss Englisch, ohnehin die Sprache der Luftfahrt, auf höchstem Niveau beherrschen, er darf das Multitasking (Aufgabenvielfalt) nicht scheuen und muss – Zitat – „in der Lage sein, dreidimensional zu denken.“ Und das alles wohl aus gutem Grunde: Immerhin überwacht das MUAC einen Luftraum von ganzen 260.000 Quadratkilometern, wobei in einem einzigen Flugkorridor nicht weniger als 80 Flugzeuge pro Stunde durchgeschleust werden. Insgesamt ergibt das ein Total von über 5.800 Fliegern an einem Tag. Damit stößt das „Centre“ auch allmählich an seine natürlichen Grenzen, umso mehr, seit neben der zivilen auch Bereiche der militärischen Luftfahrt in seinen Zuständigkeitsbereich fallen. Das Invest liegt im Übrigen bei rund 160 Millionen Euro im Jahr, wohl wissend, dass fast 3,5 Mal so viel im Jahr erwirtschaftet wird. Der Überschuss fließt dann an die vier teilhabenden Staaten zurück.

Operative Sicherheit

Auf die größten Herausforderungen in seiner fünfjährigen Amtszeit als Direktor des „Maastricht Upper Area Control Centre“ angesprochen, antwortet John Santurbano kurz, aber präzise: „Meine Aufgabe wird es sein, die vier teilhabenden Staaten zufriedenzustellen und gleichzeitig die operative Sicherheit und den Fortbestand des Zentrums in einem harten Wettbewerb sicherzustellen.“ Die Zielsetzung sei damit gegeben, nämlich in einem schwierigen Umfeld weiterhin Klassenerster zu bleiben.

s.h

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