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Das Nationale Militärgeschichtliche Museum in Diekirch feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Der Begründer und heutige Kurator des Militärgeschichtlichen Museums in Diekirch, Roland Gaul, über Entstehung und Entwicklung der heute über 2.200 Quadratmeter großen Ausstellung.
„Uns geht es in erster Linie darum, dass auch die künftigen Generationen die Ausstellung noch besuchen können“, begründet Roland Gaul, Hauptverantwortlicher des Nationalen Militärgeschichtlichen Museums in Diekirch, seine derzeitigen Bemühungen um den Erhalt und die Erweiterung der vor nunmehr über 20 Jahren auf Privatinitiative hin entstandenen Einrichtung in den Gebäulichkeiten der früheren Diekircher Brauerei.
Sein Interesse an allem, was aber auch nur im Entferntesten einen Bezug zum Militär hat, entdeckte Roland Gaul bereits in sehr frühen Jahren. „Schon in der Primärschule konkurrierten wir Jungs untereinander“, erinnert sich der Begründer des Diekircher Museums heute. „Jeder wollte eine grössere Armee-Kollektion haben als sein Banknachbar. Später, als Jugendliche, begannen wir dann untereinander zu tauschen. Allmählich kamen ganz ordentliche Sammlungen zusammen.“
In der Tat: Die Sammlungen wurden so gross, dass zu Hause bald kein Platz mehr vorhanden war. „Meine Mutter war nicht gerade begeistert“, erinnert sich Roland Gaul und lacht. „Wir Jugendliche hingegen waren in unserer Begeisterung nicht zu bremsen. Wir legten unsere Sammlungen zusammen und gründeten kurzerhand die ‚Dikricher Geschichtsfrënn asbl’. Auf diese Weise kamen wir dann auch in den Genuss der legalen Bestimmungen einer Vereinigung ohne Gewinnzweck.“
Dem Wunsch der Initiatoren, einen Teil des damals bereits in Gemeindebesitz übergegangenen früheren Brauerei-Gebäudes zur Einrichtung eines Museums bereitzustellen, stimmte die Diekircher Stadtverwaltung schließlich zu. Die Zielsetzung stand von Anfang an fest. „Wir wollten nicht nur Ausstellungsstücke unter Glas zeigen, sondern vielmehr historische Szenen in Form von lebensgroßen, eindrucksvollen Dioramen darstellen“, erinnert Roland Gaul an die von Anfang an mit der Einrichtung des Museums verfolgte Idee und weist mit berechtigtem Stolz auf das Kernstück der Ausstellung hin: das anhand von Fotos detailgetreu nachempfundene Diorama des Sauerübergangs bei Diekirch am 18. Januar 1945 durch Truppen der 5. US-Infanteriedivision.
Vorzeigeobjekt Museum
Wenn das Diekircher Museum heute zu einem wahren Vorzeigeobjekt, auch für ausländische Besuchergruppen, geworden ist mit durchaus nationalem Charakter, ist das vor allem das Verdienst von Roland Gaul und seinen Kollegen aus dem Vorstand der Diekircher Geschichtsfreunde. Zwar hat der Luxemburger Staat immer wieder zaghafte Versuche unternommen, landesweit mit Gedenksteinen an die dramatischen Ereignisse und die gefallenen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Diese Initiativen beschränken sich allerdings meistens auf das Aufstellen von eben diesen Erinnerungssteinen. Diekirch hingegen liefert ein eindrucksvolles Beispiel einer gelungenen und vor allem den tragischen Ereignissen von damals auch angemessenen Erinnerungsstätte, so dass man sich eigentlich nur wundern kann, wieso die öffentliche Hand, wenn sie schon nicht imstande war, eine solche Anlage aus eigener Kraft zu verwirklichen, diese lobenswerte Privatinitiative bislang nicht stärker fördern wollte. Dass es in der Tat möglich ist, würdige Erinnerungsstätten zu schaffen, zeigt uns nicht zuletzt auch Frankreich mit seinen eindrucksvollen Gedenkmuseen und Memorials entlang der gesamten Normandie-Küste.
Die Tatsache, dass die Museum-Initiatoren aus Diekirch allesamt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges noch gar nicht geboren waren, wertet Roland Gaul heute als großen Vorteil bei der Einrichtung des Militärgeschichtlichen Museums. „Wir waren nicht vorbelastet und konnten somit viel einfacher eine ausgewogene und objektive Darstellung der militärischen Operationen in den Ardennen garantieren“, sagt Roland Gaul selbstkritisch. Bis heute hat sich an dieser Sicht der Dinge nichts geändert. „Im Museum sind die Ereignisse rund um die Ardennenoffensive sowohl aus amerikanischer als auch aus deutscher Militärsicht, aber auch aus ziviler Perspektive dargestellt“.
Parallel zu den Bemühungen, die kostbaren Sammlungen laufend zu erweitern, wurden zahlreiche Briefe an US-amerikanische, aber auch an deutsche Veteranen gerichtet in der Hoffnung, über diesen Weg an das eine oder andere Sammlerstück zu kommen. „Die Anschriften bekamen wir über die beiden Botschaften“, erinnert sich Roland Gaul an die mühevolle Kleinarbeit in den Anfangsjahren. In Amerika waren die Veteranen in Vereinigungen zusammengeschlossen, was in Deutschland verständlicherweise nicht so der Fall war. „Mit Inseraten in lokalen und regionalen Zeitungen, im Raum Flensburg etwa, wo viele ehemalige Soldaten zu Hause waren, erreichten wir schließlich die deutschen Veteranen“. Bei ihren Besuchen in Luxemburg waren sie vor allem angetan von der objektiven Darstellung der Ereignisse. „Wir gingen mit ihnen ins Museum, nahmen ein Tonbandgerät mit und liessen sie ihre ganz persönlichen Schicksale erzählen.“
Die Armee als Partner
Auch wenn die staatliche Unterstützung, von einer über das Kulturministerium genehmigten bescheidenen Zuwendung mal abgesehen, bis heute zu wünschen übrig läßt, fanden die „Dikricher Geschichtsfrënn“ allerdings von Anfang an Unterstützung bei der Luxemburger Armee. Dank der zur Verfügung gestellten historischen Ausrüstungsgegenständen konnte die Ausstellung erheblich erweitert werden. Darüber hinaus konnte die junge Vereinigung aber auch die logistische Unterstützung der Luxemburger Armee von Anfang an beanspruchen, so etwa für den Transport von schweren Militärgeräten aus dem Ausland nach Luxemburg oder bei umfangreicheren Restaurationsarbeiten.
Als historischer Tag ging gleich der 23. September 1984, der Eröffnungstag also, in die Geschichte des damaligen Geschichtsmuseums ein. Erstmals seit Kriegsende begegneten sich bei dieser Gelegenheit amerikanische und deutsche Veteranen in Diekirch. „Der Schritt war wohl etwas gewagt“, sagt Roland Gaul 20 Jahre später, „untermauerte aber schon damals das von Anfang an verfolgte Ziel einer ausgewogenen und objektiven Darstellung der historischen Ereignisse und menschlichen Schicksale.“
Dass die Prozeduren zur Einfuhr von schwerem militärischen Gerät aus dem Ausland wie Panzer und Kanonen nicht immer einfach waren, weiß Roland Gaul nur allzu gut. „Hier waren das Justizministerium, das damalige Ministerium der Öffentlichen Macht und die Diekircher Gemeindeverwaltung gleichermaßen gefordert“, sagt der heutige Kurator des Museums. „Sie mußten bescheinigen, dass wir Jungs weder schlechte Absichten hatten, noch einen kommerziellen Zweck verfolgten. Erst dann stand der Einfuhr nichts mehr im Wege.“
Eine wesentliche Vergrößerung erfuhr das Museum schließlich im Jahre 1994, als es um ein ganzes Stockwerk erweitert wurde. Dieser Teil der Ausstellung informiert über die Geschichte und die Entwicklung der Luxemburger Armee, angefangen bei der Freiwilligenkompanie bis hin zu den heutigen Militärstrukturen. Mit Einwilligung des damaligen Kulturministers Jacques Santer durfte die offizielle Bezeichnung der Einrichtung damals auch geändert werden: Aus dem ursprünglich gegründeten „Diekircher Geschichtsmuseum“ wurde das „Nationale Militärgeschichtliche Museum in Diekirch“.
Die Rolle des Staates
Die rund 30 Prozent der Eintrittsgelder, die die Diekircher Stadtverwaltung dem Museum zurückerstattet, und die bereits erwähnte Zuwendung des Kulturministeriums reichen nur mit Not, um die jährlichen Betriebskosten von heute rund 50.000 EURO zu decken. Dass die Finanzierung über kurz oder lang so nicht aufrechterhalten werden kann, weiß auch Roland Gaul. Für den Mitbegründer des Militärgeschichtlichen Museums gibt es dann auch keine 100 Möglichkeiten, um den Fortbestand des Museums auch längerfristig zu gewährleisten. Seit Jahren schon fordert seine Vereinigung, die Einrichtung entweder in Staatseigentum übergehen zu lassen oder zumindest an ein bestehendes staatliches Museum anzuschließen. Ebenso äussert Roland Gaul den Wunsch nach hauptamtlichen Mitarbeitern: einem technischen und einem wissenschaftlichen Konservator sowie einem Hausmeister, der laufend nach dem Rechten sehen kann. Die aufgrund der Entwicklung des Museums anfallenden Aufgaben seien im ehrenamtlichen Nebenjob nach Feierabend auf keinen Fall mehr lange zu bewältigen, man denke nur an die zunehmende Zahl von Besuchergruppen, die vor allem tagsüber durch das Museum geführt werden möchten, sowie an den steigenden Unterhalt der umfangreichen Sammlungen.
Stichwort Besuchergruppen: Bedauerlicherweise kommen die meisten Schulklassen noch immer aus dem Ausland. Die Luxemburger Schulen scheinen sich hier noch etwas schwer zu tun. Dabei besteht eine der Zielsetzungen der Initiatoren darin, die Botschaft wider das Vergessen gerade auch an jugendliche Besucher weiterzugeben. Darüber hinaus möchte das Museum seiner Völker verbindenden Aufgabe weiterhin gerecht werden. „Wir möchten nicht den Militärtourismus, sondern den militärhistorischen Tourismus anziehen“, so Roland Gaul. In den Rahmen dieser Überlegungen reiht sich auch die Herausgabe einer nützlichen Landkarte ein mit sämtlichen Gedenkstätten, ob Museen, Militärfriedhöfe oder auch nur Gedenksteine, in Luxemburg und der näheren Umgebung.
Dass die Aktivitäten des Militärgeschichtlichen Museums in Diekirch in der Tat eine ganz andere Dimension angenommen haben als noch in den Anfangsjahren, zeigt auch der Zusammenschluss mit zehn weiteren militärgeschichtlichen Museen aus Luxemburg und aus Belgien in der „Amba“. Die Abkürzung „Amba“ bedeutet „Association des Musées de la Bataille des Ardennes“ und steht für die Vereinigung von insgesamt elf historischen Einrichtungen, deren zentrales Thema die Ardennenoffensive ist. „Wir möchten keine Konkurrenten sein, sondern uns gegenseitig ergänzen“, sagt Roland Gaul und dient mit einem praktischen Beispiel: „Das ‚Patton-Museum’ in Ettelbrück beschäftigt sich eher mit der Vorgeschichte der Ardennenoffensive und erinnert insbesondere an General Patton als Befehlshaber der 3. US-Armee, die Ettelbrück am 25. Dezember 1944 endgültig befreite. In Diekirch hingegen dreht sich die Ausstellung hauptsächlich um die Ardennenoffensive selbst mit ihren dramatischen Folgen und die Geschichte der Luxemburger Armee“.
Mit berechtigtem Stolz weist Roland Gaul darüber hinaus auf die nicht zu unterschätzende Rolle seiner Vereinigung bei den Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag der Befreiung Luxemburgs und den noch bevorstehenden Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Ardennenoffensive vor 60 Jahren hin.
Ein ganz konkretes Ziel hat Roland Gaul allerdings noch vor Augen, und zwar die bereits überfällig gewordene Einrichtung einer so genannten „Salle Grand-Duc Jean“ mit u.a. Uniformen des früheren Grossherzogs und einer von der „Brigade Piron“ zur Verfügung gestellten Kanone. Aber auch dieses Vorhaben ist bislang an dem dafür erforderlichen Zeitaufwand gescheitert. Demnach ein Grund mehr für den Luxemburger Staat, endlich seine Verantwortung wahrzunehmen. Auf dass das Geschehene niemals in Vergessenheit gerät…
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